Ayahuasca Erfahrungsbericht, Zeremonie 31-33 (September 2020)

20 Stunden Ayakochen

Nacht 1

Da niemand wusste, wie stark die Medizin ist, da sie diesmal über dem Feuer gekocht worden ist, was nochmal zusätzlich Feuerenergie in sie hinein gebracht hat, haben alle mit einer kleinen „Testmenge“ begonnen. Ich fing mit 50 ml an. Die Medizin setzte relativ langsam, aber mit sehr schöner, sanfter Energie ein. Nach ½ Stunde gab ich nochmal ¼ Gläschen (25 ml) hinterher und war dann gut dabei. Ich legte mich auf den Rücken und genoss die schönen Visionen. Dann fing mein Darm an zu kneifen und sofort änderten sich die Visionen. Anstatt goldene Zepter und gründe Wälder und Wiesen sah ich jetzt klar und deutlich dunkelbraunes Geflecht aus Nervenzellen vor mir, wobei jeder Nervenknoten ein Gesicht hatte. Irgendwann schauten mich unzählige kleine Fratzen an, mit einem leidenden Ausdruck. Man muss nur 1+1 zusammenzählen, um zu erkennen, dass zwischen dem Bauchkneifen und den Fratzen ein Zusammenhang besteht. Diese Nervenzellen gehörten zu meinem Darm, den ich die Tage zuvor exzessiv mit Erdnusscreme verklebt hatte. Ich lerne es wohl nie. Immerhin hatte ich schon 1 Jahr zuvor, bei den Huni Kuin gesagt bekommen, dass ich damit aufhören muss.

Zum Kotzen reichte die Menge nicht, die ich getrunken hatte und ich fragte die Gesichter, was ich tun könne, um ihr und mein Leiden zu lindern. Ich solle mich bewegen, war die Antwort. Ich schnappte mir meine Rasseln und lief leise rasselnd den Raum auf und ab. Dann ging ich raus, ans Feuer und danach noch ein wenig auf dem Grundstück umher. Als ich zurück war, gings mir deutlich besser. Ich schoss noch ¼ Gläschen nach. Ich schaute mich um. Alle waren versorgt und ich hatte das Gefühl, mich jetzt komplett gehen lassen zu können. Ich legte mich auf den Rücken und ließ die Kundalini aufsteigen. Sie kam mit großer Wucht und sehr schönen Visionen. Mit meinen Fingern konnte ich die Energie überall hin dirigieren, auch im Raum umher. Ich hatte einen Kundalini-Schub nach dem nächsten. Irgendwann ließ die Wirkung der Medizin nach, aber ich hatte kein Bedürfnis nachzulegen und ließ mir meinen 1. Rapé geben. Dann wurde gesungen, getanzt, Musik gemacht. Der letzte Rapé, ein Tsunu-Rapé der Huni Kuin aus Brasilien, schenkte mir einen traumreichen Schlaf. Immer wieder faszinierend, wie gut Ayahuasca und Rapé zusammenarbeiten.

Nacht 2

Normalerweise braucht es in der zweiten Nacht weniger Medizin, da der Körper bereits genug MAO-Hemmer von der ersten Nacht im System hat. Zu meiner Überraschung war das aber nicht so, es passierte lange Zeit gar nichts, ausser eine sanfte, wohlige Kundalini, obwohl ich mit mehr begonnen hatte, als in der 1. Nacht. Mit dieser Energie kann man durchaus arbeiten, aber wenn man richtig tief will, braucht es eine Stärke, die noch nicht erreicht war. Ich nutzte diesen Wartezustand, um andere bei ihren Prozessen zu unterstützen und mit leiser, percussiver Musik den Raum zu halten, oder die Auren von uns mit Palo-Santo Spray zu schützen, welches ich erstmalig dabei hatte.

Dann beschloss ich, noch 1/3 Gläschen nachlegen und das setzte mit der erhofften Wucht ein. Der Zeitpunkt war perfekt, früher wäre ich dafür noch gar nicht bereit gewesen. Ich gab mich der Energie hin und verschmolz mit ihr. Die Visionen reichten von Gold und Orange bis düster-dämonisch, wobei mir das Dämonische keine Angst machte.

Vor mir beobachtete ich mit geschlossenen Augen ein riesiges, silbriges Krakenwesen, dessen Tentakeln Schlangen waren, die wiederum mit schwarzen Mustern überzogen waren. Seine Tentakeln bewegen sich langsam und erhaben und ich sah, wie grau-schwarze Rauchfäden in ihren Mäulern verschwanden. Um ihn herum bewegten sich grün-schwarze Insektenwesen, die mit ihren gläsernen, langen Beinchen immer wieder in meinen Energiekörper eindrangen. Da ich die Bedeutung noch nicht verstand (siehe “Fazit”), scheuchte ich sie weg. Auf dem Boden dieses imaginären, dunkel-violetten Raumes krochen silberne Schlangen, auch sie mit schwarzen Mustern überzogen. Sie taten nichts, ausser da sein.

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Krakendämon

Obwohl es für mich aussah, als wäre ein Werk des Künstlers H.R. Giger Wirklichkeit geworden, war ich fasziniert von dem, was ich erlebte und verstand, dass diese „Dämonen“ für unsere Heilung gekommen waren. Sie bringen uns zum Leiden, zum Wiedererleben vergessener Traumatas und zum Erbrechen. Es sind Helferdämonen, die anschließend die negative Energie aufsaugen und absorbieren, denn davon ernähren sie sich. Es brach schließlich aus allen heraus, bei jedem auf seine Weise. Ich schnappte mir meine Rasseln und unterstütze uns dabei. Das Rasseln hilft den Fokus zu halten, damit das Bewusstsein nicht komplett in astrale Dimensionen katapultiert wird. Das sollte nicht passieren, denn da haben wir als Nicht-Schamanen keinen Zugang zu.

Dann bemerkte ich, dass eine aus der Gruppe hinausgegangen war. Ich wusste, dass sie gerade einen schweren Prozess durchmacht, hab mich aus meiner Trance gelöst und bin ihr gefolgt. Bei 8 Grad Aussentemperatur wäre es fatal, sich zu weit weg zu bewegen und wohlmöglich zu verirren, was in diesem Zustand sehr schnell passieren kann. Ich sah sie, sprach sie vorsichtig an und geleitete sie zum Feuer, wo es sicher war und warm. Dann begleitete ich ihren Prozess, indem ich nur präsent war und ihr dadurch Sicherheit gab. Schließlich ging sie irgendwann wieder rein. Ich genoß noch ein wenig den unfassbar klaren Sternenhimmel und die bunten Flammen des DMT-Feuers und ging dann auch rein.

Es ist wichtig, in autarken, nicht durch einen Schamanen geleiteten Gruppen, dass sich jeder um jeden kümmert. Dass im Notfall jeder in der Lage ist, sich aus seinem Prozess zu lösen und für andere Teilnehmer unterstützend da zu sein.

Wieder im Raum legte ich mich auf den Rücken und ließ die Kundalini aufsteigen. Sie kam mit großer Stärke, begleitet von sehr schönen Visionen. Gold, Silber, Rot – ich fühlte mich wie in Aladdin’s Schatzhöhle, während gleichzeitig der ganze Körper von mächtiger Energie durchströmt wurde und mit sehr hoher Frequenz vibrierte. Für mich ist das immer der Höhepunkt der Ayahuasca-Zeremonien. Wenn die Reinigung vorbei ist, die bei mir allerdings noch kommen sollte, und ich mich komplett der Energie hingeben kann.

Ohne Ende Gold

Die Reinigung kam mit dem 1. Rapé. Der haute mit so großer Wucht den ganzen Scheiß aus meinem Energiekörper, dass ich nicht mal mehr in der Lage war, die 2. Ladung zu empfangen (Rapé wird erst in das eine und dann in das andere Nasenloch geblasen). Als ich halbwegs wieder Kontrolle über mich erlangt hatte, gab ich mir dann noch das andere Nasenloch und das löste eine noch heftigere Reinigung aus. Das war nötig. Als ich wieder bei Kräften war, fühlte ich mich komplett entgiftet und befreit. Den Rest der Nacht wurde Musik gemacht, gesungen, getanzt und immer wieder wurden Gruppenmitglieder bei ihren Prozessen unterstützt und begleitet. Ich ließ mir noch einen „Gutenacht-Rapé“ geben, der stark, aber angenehm war und fiel in einen traumreichen, tiefen Schlaf.

Nacht 3

Die Medizin setzte bei gleicher Dosierung, wie in der zweiten Nacht, sehr schnell und sehr stark ein. Wir hatten gerade die letzte Strophe von Eskawata Kayawai von den Huni Kuin gesungen, da schoss eine heiße Welle durch meinen Körper, gefolgt von einer zweiten und einer dritten. In kürzester Zeit, gerade mal zu Beginn der Ruhephase, war ich eine lebende Duracell, die irgendwas machen musste, um sich nicht in ihre Moleküle aufzulösen. Dann setzte die ersten Visionen ein. Viel Gold und Orange – sehr freundliche Visionen. Dennoch war mir der Zeitpunkt deutlich zu früh – ich war noch nicht bereit dafür. Ich fing leise an zu Rasseln, um mich in Fokus zu zwingen, was auch gelang. Ich bemerkte, dass auch bei den anderen die Prozesse sehr früh einsetzten.

Da wir keinen Schamanen dabei hatten, der den Raum schützt, bat ich den Engel Asrael* um Schutz. Er ist ein völlig missverstandener Engel und hat mir schon mal in großer Not geholfen. Die Nacht, bevor damals die erhoffte Hilfe eintrat, erschien er mir in einem Traum. Ich rief ihn nicht persönlich an, weil ich das Anrufungsritual nicht kenne. Deshalb bat ich meine Schutzengel, die immer bei mir sind, ihn zu unserem Schutz zu rufen. Es trat unmittelbar ein Gefühl der Ruhe und Sicherheit ein und ich spürte eine schützende Kraft im Raum.

Asrael

Dann rief mich eine aus der Gruppe zu sich, bei der ein heftiger Prozess eingesetzt hatte und ich setzte mich vor sie hin, richtete die Handflächen zur Decke und ließ meine Kundalini aufsteigen. Sie stieg nur sanft auf, es war noch nicht ihre Zeit, aber es tat mir gut und vielleicht auch der Teilnehmerin? Als ich kurze Zeit wieder ging, war sie jedenfalls mit dem Gröbsten durch. Ich wollte immer noch nicht den Peak und ging hinaus zum Feuer. Da ich mittlerweile auch mit offenen Augen Visionen hatte und Muster und Farben sah, erdete ich mich auf der Wiese und schaute dabei in den abermals sehr klaren Sternenhimmel. In diesem Zustand waren die Sterne noch präsenter, als die Nacht zuvor und die Milchstrasse schien zum Greifen nahe. Meine Lieblingsterne, die Plejaden waren genau über mir.

Unter Ayahuasca ist der Sternenhimmel unbeschreibbar schön! Das Feuer flackerte Violett, Blau, Orange, Gelb und Rot, wie ein Regenbogen. Die Erdung tat mir sehr gut und holte mich wieder voll und ganz ins Hier und Jetzt. Zurück auf meinem Platz konnte ich mich meinen Visionen hingeben und gab mir ein wenig Kundalini-Reiki, weil mein Darm zu kneifen und grummeln anfing. Das Reiki half. Die Visionen hatten nicht mehr das düstere und dämonische von der zweiten Nacht, sondern waren voller Licht und Gold. Überall Gold, anstatt grinsende Nervenzellen und Krakenwesen.

Als ich aufschaute, war die Hälfte der Gruppe draussen beim Feuer, drei waren im Raum geblieben. Der Rest hatte spontan Lust auf Musikmachen. Ich schnappte meine Trommel und ein anderer seine Klangschale. Wir sangen zusammen das Spirallied von Iria und trommelten, bimmelten und tanzten dazu, so laut, dass der ganze Raum bebte. Das war nötig und tat unglaublich gut! Dann bekam ich den Impuls, noch 1/3 Gläschen nachzunehmen. Kaum hatte ich es geleert, kamen zwei vom Feuer hinein – bei einer hatte draussen ein sehr heftiger Prozess eingesetzt. Wir ließen völlige Ruhe einkehren und kümmerten uns gemeinsam um die Teilnehmerin. Es dauerte eine Weile, bis sie wieder zu sich gefunden und sich halbwegs unter Kontrolle hatte, aber es gab keinen Moment, wo wir das Gefühl hatten, dass uns die Situation entgleitet. Wir fingen irgendwann an gemeinsam „Ohm“ zu summen und beruhigten sie damit. Gleichzeitig bekam sie unsere volle Aufmerksamkeit und Präsenz, was ihr ein sicheres Gefühl gab, wie sie später sagte.

Ich verstand jetzt, warum ich den Impuls hatte, noch 1/3 Gläschen nachzutrinken. Erst dadurch fing meine Kundalini an aufzusteigen, was mich wiederum in die Lage versetzte, mich in einer Trance voller heilsamer Energie voll und ganz der Situation zu widmen. Am Ende schlief die Teilnehmerin ein und gab Laute des Wohlgefallens und der Erleichterung von sich. Sie hatte einen Kundalini-Aufstieg, wie sich später herausstellte. Ich denke, dass ihr heftiger Prozess der Auslöser dafür war.

Das Erwecken der Kundalini wird meistens durch sehr starke, emotionale Prozesse ausgelöst und das war so ein Prozess. Sie ist durch ein sehr schweres Trauma ihrer Vergangenheit gegangen. Belohnt wurde sie anschließend, wie sie erzählte, durch eine nie gekannte Energie, die sehr lange anhielt, begleitet von sehr intensiven Visionen. Nach meiner Erfahrung typisch für ein Kundalini-Erwachen. Sie ist göttliche, heilsame Energie und die Teilnehmerin wird in Zukunft noch sehr viel Freude mit ihr haben.

Ich kann immer nur wiederholen, dass die Kundalini nichts ist, wovor man Angst haben muss. Sie ist pure, energetische Heilung. Das kann manchmal kneifen und einen durchschütteln, oder an den Rand von emotionalen Ausnahmezuständen bringen. Aber es bleibt immer in einem Rahmen, der handlebar ist. Die Kundalini gibt einem (wie Ayahuasca) nie mehr, als man grade verkraften kann. Ein sehr intelligenter Spirit!

Da wir die Teilnehmerin in Ruhe schlafen lassen wollten und auch die Teilnehmerin von der Vornacht, die mich um Beistand rief, schlief (tat sie nicht, wie sie später erzählte. Sie war in einem tiefen meditativen Prozess), machten wir leise Musik an und spielten dazu sanft auf unseren Instrumenten. Es entstand eine gemeinsame tiefe Meditation, die wir dem hinduistischen Gott Ganesha widmeten.

Die Nacht endete mit einigen Rapés und für einige nochmal mit einem kleinen Schlückchen von der Medizin. Mich versetzte das ¼ Gläschen Ayahuasca in einen sehr wohligen Zustand und schenkte mir einen tiefen Schlaf mit wunderschönen, bildreichen Träumen. Am Morgen waren alle glücklich und entspannt.

Fazit:

Für mich ist das nächste Ziel beim Ayahuasca mit Spirits zu kommunizieren. Ich hatte Asrael’s Energie deutlich gespürt, es war dieselbe, wie ich sie im Traum mit ihm gefühlt hatte. Eine andere Teilnehmerin (die mich gerufen hatte) hatte mehrere Begegnungen mit dem Erzengel Michael. Die Teilnehmerin mit dem heftigen Prozess in der dritten Nacht, wurde mehrmals von Spirits kontaktiert, die sie genau instruiert hatten, was sie tun müsse, damit sie ihre Heilung erfahren könne. Sie hatte sich genau daran gehalten und dadurch ein schweres Kindheitstraumata aus ihrem Energiekörper entlassen können. Jedes Trauma weniger bedeutet ein deutliches Mehr an Lebensenergie, da das Festhalten an Traumatas sehr viel Energie kostet.

Wir sind ständig umgeben von Spirits, Engeln und Helferdämonen. Während Letztere nicht gerufen werden müssen, das sie immer auf Erden weilen und warten und schauen, wo es negative Energie abzustauben gibt, müssen Engel und Lichtwesen gerufen werden. Sie stehen zwar immer bereit, greifen aber nur ein, wenn man sie ruft.

Mit diesem Anrufen von Spirits werde ich mich näher beschäftigen. Auch will ich wissen, ob ich irgendwo Berichte von einem Oktopus-Dämonen finde, der uns sehr geholfen hatte, festsitzende, negative Energien zu lösen. Zwar verrichten die Helferdämonen ihre Arbeit aus reinem Eigennutz, weil sie sich von negativer Energie „ernähren“, aber am Ende ist das egal. Uns Menschen hilft es, den Scheiß irgendwo abzuladen. Und wenn ein Schattenwesen unseren Rotz gut gebrauchen kann – bitte, bon appetit!

*Asrael wird in der Literatur oft als Todesengel bezeichnet, was einfach nicht stimmt. Er ist immer dort, wo gestorben wird, aber er ist eben nicht der Sensenmann, als der er immer dargestellt wird. Seine Aufgabe ist es, die Silberschnur durchzutrennen, damit die Seele des Verstorbenen ins Licht aufsteigen und ihren Frieden finden kann.