Ayahuasca erklärt – Teil 1

Es gibt bei Ayahuasca immer wieder Erklärungsbedarf und dem möchte ich mit dieser 3-teiligen Reihe nachkommen.

Viele haben zwar schon von Ayahuasca gehört, aber nur wenige wissen, was es wirklich ist und warum es so wirkt, wie es wirkt. Ich kann auf die Erfahrungen aus 68 Sitzungen mit der Regenwald-Medizin zurückgreifen und habe mich von Beginn an auch mit den wissenschaftlichen Hintergründen beschäftigt, also mit der Chemie und auch dem, ohne Zweifel, längst nachgewiesenen Heilpotential des Pflanzensuds.

Ayahuasca, Kundalini, Klarträumen
Ayahuasca: Bansiteriopsis Caapi, Psychotria viridis, Wasser

Seit wann die Menschen im Amazonas-Regenwald Ayahuasca nehmen, ist nicht bekannt, aber aus Aufzeichnungen von Ethnologen weiß man, dass es sich um Jahrtausende handeln soll. Auch Archäologen bestätigen mindestens Jahrhunderte alte Funde von Resten von Ayahuasca.

Die Zutaten

Die Zutaten bestehen im Wesentlichen aus zwei Komponenten, der Ayahuasca-Liane (Banisteriopsis Caapi), die der Medizin auch den Namen gegeben hat und den Blättern des Chacruna-Busches (Psychotria viridis), eines Strauchs aus der Familie der Kaffeegewächse.

Die Wirkstoffe:

Die wesentlichen Wirkstoffe des Ayahuasca Suds sind Harmalin, Harmin, Tetrahydroharmin und N,N-DMT (eine komplette Liste findet man hier). Dazu kommen noch Farbstoffe und Tannine.

Ayahuasca, Kundalini, Klarträumen
In über 30 Stunden werden 36 Liter immer wieder heruntergekocht (reduziert), bis am Ende nur noch 1 Liter übrig bleibt. Im Falle von Yagé sogar noch viel weniger.

In sehr vielen Abhandlungen zu Ayahuasca liest man, dass der Hauptwirkstoff DMT ist und die Monoaminooxidase-Hemmer (MAO-Hemmer) Harmin und Harmalin lediglich dazu dienen, das Tryptamin DMT verfügbar zu machen, weil es sonst von dem Enzym Monoaminooxidase zerstört würde. Das ist nur zum Teil richtig. Richtig ist, dass die MAO-Hemmer Harmin und Harmalin erst die Aufnahme von DMT ermöglichen – falsch ist aber, dass DMT der Hauptwirkstoff ist!

Die Hauptwirkstoffe sind definitiv Harmin und Harmalin, was man auch bestätigt bekommt, wenn man Ayahuasca OHNE DMT trinkt, entweder als Caapi-Sud, oder als Auszug der Syrischen Steppenraute.

schallundwort.de
Harmin
schallundwort.de
Harmalin

Stellt man Ayahuasca ohne DMT her, dann bekommt man ein vollwertiges Ayahuasca, welches dem DMT-Ayahuasca in seiner Heilwirkung in Nichts nachsteht. Der Unterschied sind die Art der Visionen und weniger intensive spirituelle Erfahrungen. Auch energetisch ist das Ayahuasca ohne DMT zwar schwächer, aber immer noch stark genug, als das man es nicht ohne erfahrene Begleitung nehmen sollte.

DMT-Molekuel
N,N-DMT

Anstelle der Kaffee-Pflanze Chacruna kann man auch die Blätter vom Chaliponga-Baum als DMT-Quelle verwenden. Chaliponga enthält neben N,N-DMT zusätzlich 5-MeO-DMT, was das Chaliponga-Ayahuasca zwar energetisch intensiver macht, aber von den Visionen her milder („aufgeräumter“). Das Chaliponga-Ayahuasca findet man vor allem im Bundesstaat Acre, in Brasilien. Ich finde es das schönste und angenehmste Ayahuasca, bin aber durch meine erwachte Kundalini hohe Energien gewohnt, kann damit also umgehen.

Yagé

Dickflüssiges, hochkonzentriertes Yagé

Eine besondere Ayahuasca-Art ist Yagé. Yagé ist konzentriertes Ayahuasca, mit einem hohen Anteil an sekundären Pflanzenstoffen und von dickflüssiger Konsistenz. Yagé ist von seiner Wirkung her das stärkste Ayahuasca, das man nehmen kann und es ist auch körperlich entsprechend herausfordernd. Es führt in 90% aller Einnahmen zum Erbrechen und daher gehe ich nur dann zu Yagé-Zeremonien, wenn mal wieder Reinigung angesagt ist. Was ich genau damit meine, werde ich im 2. Teil erklären. Yagé wird vor allem in Kolumbien, Peru und Ecuador verabreicht.

Eurasisches Ayahuacsa?

Die Frage stellen sich Ethnologen immer wieder, ob es auch in unserem Teil des Globus‘ so etwas wie Ayahuasca gab, oder gibt, denn die Zutaten wären definitiv vorhanden. Tatsächlich gibt es keine archäologischen Funde, die ein Ayahuasca-ähnlichen Sud im eurasischen Raum bestätigen, lediglich die Bibel gibt Hinweise auf ein psychedelisch wirkendes Getränk, welches von den Priestern und Königen eingenommen worden sein soll, das Soma, bzw. Haoma. Haoma gibt einen Hinweis auf die Syrische Steppenraute, die botanisch Peganum Harmala heißt und die gleichen Wirkstoffe enthält, wie die Ayahuasca-Liane (Harmin, Harmalin, Tetrahydroharmin).

Als DMT-Lieferant könnten diverse Akazien-Arten dienen, welche über den gesamten eurasischen Süden und Osten verteilt wachsen. Auch verschiedene Schilfgräser und Weidegras (Phalaris Arundinazae) haben genug DMT in ihren Wurzeln und Blättern, dass man damit Ayahuasca kochen könnte. Dass die Syrische Steppenraute in biblischen Zeiten als Psychedelikum verwendet wurde, ist aus Aufzeichnungen bekannt. Das entspräche Ayahuasca ohne DMT.

Im 2. Teil wird es um die Wirkung von Ayahuasca und Yagé gehen und im Dritten um die therapeutischen Qualitäten und seine zukünftige Rolle in einer zunehmend psychisch beanspruchten Gesellschaft.