Ayahuasca und ich

Meine ersten 12 Nächte mit dem visionären Pflanzensaft

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Was Ayahuasca im Detail ist, ist nicht Thema dieses Beitrages, dass kann man hundertfach im Netz nachlesen. Aber inwiefern es was mit mir gemacht hat, davon möchte ich hier berichten.

Das erste Mal hörte ich von Ayahuasca 2014, in einem Vortrag von Bruce Lipton, ein Makrobiologe aus den USA, der sich mit dem Einfluss von Gedanken und Bewusstsein auf unsere Zellen beschäftigt. Daraufhin schaute ich mir so ziemlich alle Vorträge im Netz an, die sich mit Ayahuasca bzw. dessen Hauptwirkstoff DMT beschäftigen, an, und beschloss, es irgendwann mal selber zu probieren. Ich bin gelegentlicher Klarträumer und hatte die, aus heutiger Sicht naive, Vorstellung, dass ein DMT-Erlebnis so etwas ähnliches wie ein Klartraum ist, nur eben über externe Umstände herbeigeführt, statt über interne. Ende 2015 traf ich dann eine sehr gute Freundin, die davon erzählte, dass sie an zwei Ayahuasca-Zeremonien teilgenommen hat und die mir viele Fragen dazu beantwortete. Im April 2016 habe ich dann das erste Mal selber an einem Retreat teilgenommen, bei einem mir von mehreren Seiten empfohlenen Schamanen (die Wahl des Schamanens ist essentiell!)

Das erste Mal Ayahuasca ist für jemanden, der noch nicht mal gekifft hat in seinem Leben, geschweige denn sonst irgendeine Erfahrung mit psychodelischen Wirkstoffen hatte, ein ziemlich krasses Erlebnis. Am krassesten sind bei Ayahuasca allerdings die körperlichen Begleitumstände. Von den 12 Nächten, in denen ich Yagé (das Kolumbianische Ayahuasca) getrunken hatte, gab es nur zwei, wo die körperlichen Umstände leichter ausfielen, in den anderen Nächten waren zwei von sechs Stunden jedesmal das blanke Leiden, vergleichbar mit der Muschelvergiftung, die ich als junger Mann mal hatte. Dennoch habe ich es 12 mal über mich ergehen lassen. Warum? Weil die restlichen vier bis fünf Stunden immer das komplette Gegenteil waren. Eine Ayahuasca Regel heißt: „Wer in den Himmel will, muß durch die Hölle“. So nahm ich jedesmal 1-2 Stunden Leiden hin, um anschließend mehrere Stunden mit Gott zu plaudern (oder wem auch immer)

Was passiert mit einem, wenn man Ayahuasca trinkt?

Ich weiß nicht, was anderen passiert, da ich nur für mich sprechen kann, aber viele andere Teilnehmer(innen), mit denen ich mich anschließend ausgetauscht habe, berichteten ähnliches. Die Wirkung beginnt mit einem deutlich spürbaren „Bodyload“ (so nennt man das in der DMT-Fachsprache). Der Körper wird einerseits schwer, wie während einer Schlafparalyse, andererseits wird er „elektrisch“, so dass man sich nach kurzer Zeit fühlt, wie eine lebende Duracell. Gleichzeitig setzen die Visionen ein, die man nur als extrem grelle, bunte und sehr schnelle Muster beschreiben kann, die sich so schnell verändern und durch den inneren Space sausen, dass einem allein davon schon übel werden kann. Begleitet wird das Ganze von starkem Schwindelgefühl und Ohrensausen. Anfangs hatte ich die grell-bunte „DMT-Kunst“ noch genossen, aber die letzten drei Sitzungen hat sie mich nur noch genervt.

In der Regel setzt nach 20-40 Minuten starke Übelkeit ein und der Wunsch, sich zu übergeben. Gesegnet sind diejenigen, die das können. Ich konnte es anfangs nicht, habe es aber schnell gelernt. Denn kann man es nicht, landet man in den Regionen seines Unterbewusstseins, wo man vermutlich genau NICHT hin wollte. Dann kann das zu einem echten Bad-Trip werden, gefangen in einer Welt düsterer Visionen und vermeintlicher Höllenwesen. Ein guter Schamane erkennt das, lässt einen eine Weile leiden (man macht das ja auch, um seinen inneren Schweinehunden zu begegnen), und holt einen dann da wieder raus. Letzteres ist mir zweimal passiert und ich danke dem Schamanen, dass er mich beide Male aus den tiefsten Gruften meines Unterbewusstseins befreit hat. Wie er das gemacht hat, ist mir allerdings bis heute ein Rätsel!?

Im Laufe der Sitzungen hatte ich eine Strategie entwickelt, einen genauen Ablaufplan. Ich beschloss, die Dschungelmedizin wenigstens eine Stunde im Magen zu behalten, dann gezielt das Erbrechen einzuleiten und anschließend auf Reisen gehen. Theoretisch ein super Plan, praktisch aber kaum realisierbar. Das Ayahuasca ist nicht nur von Zeremonie zu Zeremonie in seiner Wirkstoffzusammensetzung verschieden, auch das eigene Befinden, das Set, ist nicht immer dasselbe. So gelang es mir zwar hin und wieder, den bitteren Saft über eine Stunde im Magen zu behalten, aber nicht immer waren die Reisen anschließend der pure Genuss. So landete ich in der 5. Nacht, nachdem ich vom Erbrechen so geschwächt war, dass ich mich gegen nichts mehr wehren konnte, in einem luzidem Traumzustand, in welchem ich ein Baustein auf einer Computerplatine war und aberwitzige Aufgaben zu lösen hatte. Kaum hatte ich mich per Gedanken von der Platine befreit (als luzider Träumer kennt man so seine Tricks) da wurde ich Teil des Monitors und alle Visionen, die ich dann hatte, wurden zu Filmen, welche auf diesem Monitor liefen. Die frustrierendste Ayahuasca-Nacht, die ich je hatte – gefangen in einem Youtube-Channel. Und das, nachdem ich die Nacht zuvor zwei Stunden in einem Meer aus Liebe geschwommen bin und, subjektiv empfunden, mit Gott gesprochen hatte.

Ayahuasca ist unberechenbar. Du kannst Qualen erleiden, aber auch in göttlicher Liebe baden.

Mit Ausnahme der Computernacht habe ich mit Ayahuasca keine wirklichen Bad-Trips erlebt, vom Kotzen mal abgesehen, aber das gehört halt dazu. Ich habe viel gelernt in diesen Nächten. Über mich, die Welt, die Ewigkeit, und was wahre Freundschaft und Liebe ist. Wenn der Wirkungshöhepunkt, der Peak, überschritten ist, bekommt Ayahuasca für mich die perfekte Qualität. Man hat immer noch kraftvolle Visionen (aber nicht mehr so grell), muss aber nicht mehr Bäuerlein machen und kann sich voll bewusst auf die Reise in die inneren Welten machen. Dort bin ich allem möglichen begegnet. Lichtwesen, fremden Welten, riesigen Städten, Flotten von Raumschiffen, den DMT-Clowns, einem galaktischen Hologramm, welches mir als das Universum erklärt wurde (irgendeiner/etwas sabbelt immer in dir, wenn du DMT nimmst) oder, der absolute Höhepunkt, der eigenen Seele – ein grün fluoreszierendes Licht, welches über Lichtbänder mit der Ewigkeit verbunden ist.

Zwölf Ayahuasca-Nächte in 13 Monaten:

1. Nacht: Völliger Newbie. Keinerlei Erkenntnisse außer Staunen und Kotzen.

2. Nacht: Erkenntnisse: Die Welt ist ein 8-dimensionelles Hologramm. Alles besteht aus einer Energie, die gefühlt Liebe ist. Wobei man es nicht mit der Liebe zu einem geliebten Menschen oder seinem Haustier vergleichen kann. Die universelle Liebe ist reine Schöpfungsenergie, für die es keinen passenden Namen gibt, weil keine noch so genaue Beschreibung ihr gerecht werden könnte. Aber der Begriff Liebe kommt ihr schon sehr nahe.

3. Nacht: Anderer Schamane (Bruder), gleiches Ayahuasca, dennoch völlig andere Erfahrung. Sieben Stunden pastellfarbene, sanfte Bilderkunst von unbeschreiblicher Schönheit. Erkenntniss: Es gibt nichts Hässliches im Universum.

4. Nacht: Erkenntnisse: Dualität ist die Quelle allen Seins. Gott selbst ist Dualität. Wir leben, um für die Ewigkeit zu lernen.

5. Nacht: Bad Trip. Erkenntnis: Ayahuasca ist ne Bitch.

6. Nacht: Mit Motto in die Nacht eingestiegen: “Schönheit, Liebe, Kunst”. Sechs Stunden nur Schönheit und Kunst, allerdings wenig Liebe. Erkenntnis: keine

7. Nacht: Wie 6. Nacht plus viel Liebe, als ich meiner Seele begegnet bin. Erkenntnis: Wir sind ewige Wesen, unsere Seelen sind Licht. Auch hatte ich in der 7. Nacht das erste Mal das Gefühl, eins mit allem zu sein.

8. Nacht: Wie 3. und 6. Nacht.

9. Nacht: Ich sah das erste Mal “Wesen” auf und bei anderen Teilnehmern rumlungern. Sie machten mir aber keine Angst. Auch lernte ich etwas sehr wichtiges: Vergeben. Erkenntnis: Es gibt nichts befreienderes und schöneres, als von ganzem Herzen zu verzeihen und zu vergeben.

10. Nacht: Wie Nacht 3/ 6/ 8. Jedoch war ich das erste Mal von den grellen Visionen genervt.

11. Nacht: Die Visionen nervten noch mehr, als in der 10. Nacht. Ich will diese knallbunte Las-Vegas Show nicht mehr. Ich empfinde sie als Bedrohung. Aber ich lernte in dieser Nacht meine Kundalini-Energie zu steuern. Ich probierte es über viele Stunden, bis ich mit einem Fingerschnip soviel Energie mobilisieren konnte, dass alles in mir leuchtete. Ich fühlte mich wie ein lebender, energiespeiender Vulkan. Und das Stunden nach dem Peak, zu einem Zeitpunkt also, wo kaum noch DMT im Körper vorhanden sein durfte. Erkenntnisse: Wir sind Energiewesen. Alles ist Energie, absolut Alles!

12. Nacht: Völlig genervt von den Visionen. Ich hatte das Gefühl, sie werden mit jedem Mal bunter, greller und schneller. Die Bedrohung von ihnen empfand ich diesmal als sehr konkret. Es war wie ein: “Schauen wir mal, wie weit wir bei ihm gehen können”. Als endlich Ruhe einkehrte, habe ich meditiert und meine Kundalini-Übungen optimiert. Erkenntniss: Ich sollte kein Ayahuasca mehr nehmen. Ich hatte das Gefühl, die Botschaft kommt nicht von mir, sondern von der Pflanze selbst.

Mir persönlich ist es völlig egal, ob das nur Illusionen sind, Konstrukte von elektrischen Impulsen in meinem Hirn, oder wahre Begegnungen, denn die Welt ist nach meiner Vorstellung auch nur eine Illusion. Eine superschöne, für die ich sehr dankbar bin, aber dennoch VR (Virtual Reality). Entscheidend ist für mich, was ich mit nach Hause genommen habe, die Bilder, die Emotionen, die Erkenntnisse. Auch habe ich noch nie in meinem Leben so tief und hingebungsvoll meditieren können, wie mit Ayahuasca. Diese Tiefe erreichen wahrscheinlich nur sehr trainierte Yogis, ich gehöre definitiv nicht dazu. Inzwischen trinke ich nur noch selten Ayahuasca, vor allem, weil ich die grellen Vision während des Peaks nicht mehr abkann, die strengen mich noch mehr an, als das Kotzen. Aber der Wunsch, wieder so tief in eine Meditation zu gelangen, wie mit dem magischen Pflanzensaft, der besteht fortwährend.

Hin und wieder gelingt es mir, wenn ich nachts meditiere, z.B. während der Klartraumtechnik WILD. Auch manche Klarträume haben eine ähnliche Qualität. Aber es macht schon einen Unterschied, ob man 5-10 Minuten in diesem Zustand des völligen Einsseins mit Allem ist, oder über Stunden, wie mit Ayahuasca. Dennoch – solange die grellbunte Neonshow dem vorgeschaltet ist und man das Gefühl hat zu sterben, weil dir der komplette Verdauungsapparat droht, ins Gesicht zu springen, ist Ayahuasca für mich nicht mehr das bevorzugte Mittel. Vielleicht braucht es einfach nur mehr Geduld? Meditieren lernt man schließlich nicht von heute auf morgen. Diejenigen, die solche von mir künstlich herbei provozierten Zustände auf natürliche Weise erreichen, meditieren bereits seit Jahrzehnten.

Dass Ayahuasca auch von Leuten getrunken wird, welche die Medizin allenfalls als exotischen Kick verstehen, ist schade. Ich habe Leute auf Zeremonien erlebt, die permanent sabbelten oder mit ihren Smartphones rumspielten, während andere versuchten, ernsthaft in ihren Prozess zu kommen, bzw. im Prozess zu bleiben. Die Respektlosigkeit mancher Teilnehmer ist frustrierend. Nicht nur die Respektlosigkeit vor der Pflanze, auch vor dem Schamanen, seinen sehr engagierten Helfern und den anderen Teilnehmern. Der Liane Banisteriopsis Caapi, die ein Teil der Zutaten von Ayahuasca ist, tut dieser Trend nicht gut. Da sie Jahrzehnte braucht, um zu wachsen, kann der enorm gestiegene Bedarf an Ayahuasca nur noch gesichert werden, indem wilde Lianen im Dschungel abgeholzt werden, mit dem Resultat, dass mittlerweile große Regionen Perus und Kolumbiens komplett abgeerntet sind.

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Ich gehöre auch zu denen, die daran Mitschuld sind, keine Frage. Vielleicht hätte ich nach der 7. Nacht, in welcher ich meiner Seele begegnet bin, aufhören sollen? Aber man denkt ja immer, da geht noch mehr. Es kam auch noch mehr, aber nichts, was von solch erhabener Bedeutung war (mit Ausnahme der 9. Nacht). Ich kann gut verstehen, dass man das mal erleben möchte, aber dann soll man es mit Respekt tun. „Für deinen Spaß“, hätte ich so manchem Teilnehmer gerne gesagt, „wurde ein Baum getötet. Verneige sich vor ihm, anstatt ihn mit deinem Disrespekt zu verhöhnen.“

Ich hoffe, dass die Ayahuasca Bewegung nicht zum völligen Kommerzwahnsinn mutiert. Andererseits, wer kotzt schon gerne? Manchmal denke ich – kluge Pflanze! Mit dem Kotzen hältst du dir ne Menge Kandidaten vom Leibe.

Wer sich wissenschaftlich zu Ayahuasca informieren möchte, dem empfehle ich die medizinische Datenbank NCBI, dort finden sich viele Studien zu Ayahuasca. Tatsächlich ist Ayhuasca eines der am besten erforschten Naturheilmittel der Welt. Das Institute De Recerca in Barcelona foscht seit 21 Jahren zu und mit Ayahuasca.

UPDATE:
Meine 12. Ayahuasca-Zeremonie liegt inzwischen 1 Jahr zurück und ich kann die Erfahrungen noch besser verstehen. Ich habe derweil weiter meine inneren Welten besucht, meist über Meditationen, aber auch über Klarträume, inkl. Momente basaler Klarheit. Es sind immer nur kleine Bausteine, die dazu kommen, aber so fügt sich mehr und mehr ein Bild, ein Bild von einem selbst. Und schaut man sich dieses Bild aus einer Distanz an, dann erkennt man, wo man was ändern sollte, hinsichtlich vieler Dinge, angefangen von Toleranz bis hin zu Urteilen über andere. Dieses Jäten im Vorgarten der eigenen Gewohnheiten und Automatismen ist nicht einfach, aber befreiend – irgendwann macht es Klick und das Aha-Erlebnis ist da. Auf einmal werden bestimmte Dinge klar und man versteht, wie das eigene Verhalten zum Boomerang werden kann. Das Gesetz der Resonanz – da ist es wieder.