Fünf Jahre Klarträumer – eine Zwischenbilanz

Es begann im Sommer 2015, als in einem Traum ein Sprung über ein Flüsschen zu einem Zustand der Schwerelosigkeit führte, wie ihn ein Astronaut im All erlebt, oder beim Laufen über den Mond. Ich erkannte den Traumzustand, wurde aber dennoch nicht wach. Dann passierte das für mich damals Unglaubliche. Die Optik änderte sich radikal. So wie im Kino, wenn nach der Werbung die Leinwand aufgezogen und man aufgefordert wird, die 3D-Brille aufzusetzen.

Das Gesichtsfeld wechselte von 200 Grad auf geschätzte 300 Grad. Farben und Kontrast waren in ihrer Intensität mit der Realität nicht zu vergleichen (die Realität ist ein trüber Traum dagegen) und das Licht war magisch, anders kann man es nicht beschreiben. Ich war mit Freuden im Gebirge wandern und als ich mir wünschte, die Landschaft von oben zu sehen, hob ich wie ein Senkrechtstarter ab und schwebte den Bruchteil einer Sekunde später knapp über den Bäumen. Meine Wandergruppe sah ich von oben ohne mich weiterlaufen. Ich wünschte mir noch höher zu fliegen und war im selben Moment auf der Höhe der Berggipfel. Von dort konnte ich in die Täler zwischen den Bergen schauen und sah kleine Ortschaften, teilweise bereits mit beleuchteten Häusern, da es anfing zu dämmern. Die Luft war kühl und es wehte ein leichter Wind. Die Sonne ging in einem atemberaubenden Farbspektakel direkt vor mir unter. Ich wünschte noch höher zu fliegen und schoß wie eine Rakete in die Stratosphäre. Es war alles unglaublich real, so real, dass ich es mit der Angst bekam und aufwachte.

Ich hatte schon von Klarträumen gehört, mich aber ansonsten nie damit beschäftigt. Das änderte sich mit dieser Nacht. Die Beschäftigung mit Klarträumen führt erfahrungsgemäß zu weiteren Klarträumen, so auch dieses Mal. Bereits drei Tage später hatte ich den nächsten Klartraum. Ich war im Harz mit einer Gruppe von Leuten. Als ich unter den Leuten auch meine verstorbene Schwägerin sah, wußte ich, dass es ein Traum ist. Diesmal war ich vorbereitet, ich hatte die letzten Tage einiges zum Thema gelesen, und so testete ich das erste Mal in meiner beginnden Karriere als Klarträumer eine Stabilisierungstechnik, die ich auch heute noch anwende. Ich fasste alles an und spürte genaustens in die Beschaffenheiten der berührten Dinge. Auch machte ich erste Bekanntschaft mit der Klartraumphysik, indem ich ohne jegliche Probleme meine Finger durch feste Gegenstände bohrte. Im weiteren Verlauf flog ich mit meiner Schwägerin und ihrer Begleiterin – ein kleines Kind im weißen Kleid – durch den Harz. Wir hatten eine Menge Spaß, vor allem fand auch sie es sehr lustig, mit den Fingern oder Händen durch Wände und Holzbalken zu fassen.

In den folgenden fünf Jahren erlebte ich um die 200 Klarträume, viele lang und abenteuerlich, manche aber auch nur wenige Minuten kurz. Fast alle sind mir gut in Erinnerung, denn Klarträumen ist auch für regelmässige Klarträumer immer wieder ein besonderes Erlebnis. Ich bin in meinen Klarträumen vertikal durch meterhohe Betonwände geschwebt, um dann im All zu landen, bin im Meer getaucht, ohne Brille und Atemmaske, wobei es so real war, dass ich fror, als ich auftauchte, weil kühler Wind meine nasse Haut streifte. Einmal bin ich in einer 2D-Welt gelandet, wo nur 1 Mensch lebte, der mit einem Skateboard über die 2D-Landschaft sauste und in einem der eindrucksvollsten Klarträume wurde ich von Lichtwesen mit zu einer Party genommen, wo alles aus Licht war, nicht nur die Wesen, die dort anwesend waren, welche an Gins aus 1001 Nacht erinnerten. Vor wenigen Tagen war ich in einem langen und stabilen Klartraum in einer Art Alice in Wonderland Welt, zusammen mit einer weißen, sprechenden Katze.

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Meiner verstorbenen Mutter bin ich zweimal begegnet, sie hatte ebenfalls beide Male ein kleines Kind in weißem Kleid dabei. Auch anderen vermeintlich Toten bin ich in Klarträumen begegnet, so z.B. einer Gruppe von Däninnen, die aussahen, als hätten sie einen Unfall gehabt und mich völlig ungläubig ansahen, was ich in ihrer Welt zu suchen hatte. Einer anderen, sehr tot ausschauenden Frau mit dunkler Haut, heilte ich ihre Wunden durch Hand auflegen. Zweimal begegnete ich dämonisch aussehenden Wesen. Beim ersten Mal wollten zwei schwarzäugige Frauen Informationen von mir. Ich antwortete ihnen, dass das mein Traum sei und verweigerte ihnen jegliche Informationen – dann bin ich gezielt aufgewacht, weil sie mir nicht geheuer schienen. Das zweite Mal war es ein fieser kleiner Quälgeist, mit schuppiger Lederhaut und gelben Augen, der mich bedrohte. Ich rief eine Raubkatze zum Schutz. Es kam ein großer, goldener Leopard, der den aggressiven Dämon von mir fern hielt.

Der Grat zwischen normalem Traum, im Klarträumer-Jargon auch Trübtraum genannt, und Klartraum ist minimal. Es reicht der kleinste Hinweis und schon wechselt man mit dem Wachbewusstsein in die Traumwelt. Die Traumwelt wird dann zu einer virtuellen Realität, gegen die selbst die besten VR-Computer ein Witz sind. Hattet ihr schon mal mit einer VR-Figur aus einem 3D-Spiel Sex? Ich meine Sex, der sich auch so anfühlt? Im Klartraum kein Problem. Klartraumsex unterscheidet sich in der Qualität in nichts von realem Sex. Alles fühlt sich genauso an, nur dass die Sexpartner immer schön und perfekt sind 🙂 Aber Sex im Klartraum birgt auch das Risiko des frühzeitigen Erwachens, denn das Gehirn kann zwischen Imagination und Realität nicht unterscheiden (was für mich ein Hinweis auf die wahre Beschaffenheit der Welt ist) und schüttet Cortisol aus – und das macht wach. Wer also einen langen, stabilen Klartraum haben will, sollte sich das mit dem Sex gut überlegen, oder solche Aktionen auf das Ende des Klartraumes verschieben (nur – wann endet er?).

Außer für Abenteuer und Sex kann man Klarträumen auch für heilerische Zwecke nutzen, zumindest was psychische Belange angeht. So hatte ich mir eines Tages vorgenommen, das Klarträumen zu nutzen, um meiner Krabbeltierphobie zu Leibe zu rücken – wenn es zu schlimm würde, könne ich ja gezielt wach werden. Schon wenige Nächte später war es soweit, mir begegnete in einem Klartraum ein 8-beiniger kleiner Krabbler. Da er mir für meinen Geschmack zu groß war, beschloss ich, ihn zu schrumpfen, was aber irgendwie daneben ging. Anstatt zu schrumpfen, hatte ich jetzt zwei große Spinnen an der Wand, eine schwarze und eine braune. Ich setzte meine ganze Konzentration ein, um sie weg zu zaubern, doch anstatt sich in Traumluft aufzulösen, verdoppelte sich ihre Anzahl.

Mit jedem Versuch, sie verschwinden zu lassen, wurden sie mehr, in allen Größen und Formen. Angst ergriff mich. Ich ging zur Zimmertür, aber die Klinke klemmte. Ich nahm Anlauf, um durch die Wand zu springen, was sonst immer klappt, aber diesmal gab die Wand nicht nach. Inzwischen seilten sich bereits die ersten Exemplare auf mich ab und ich geriet in Panik. Es war, wie gesagt, ein Klartraum und alles extrem realistisch, schließlich war ich mit meinem Wachbewusstsein dort unterwegs. Mir fiel nur eine Lösung ein. Ich erinnerte mich, dass der Körper während der Traumphasen gelähmt ist (Schlaflähmung) und dass, wenn man die Paralyse löst, man auch aus dem Traum erwacht. Schlafparalyse und Träumen bedingen sich einander, das eine geht nicht ohne das andere (ausser in NREM-Träumen). Wie man die Schlafparalyse auflöst, erinnerte ich zum Glück – indem man den Atemrhythmus wechselt. Ich fing an zu hyperventilieren, was mir angesichts der krabbelnden Bedrohung nicht schwerfiel und imnu wurde ich wach.

Soviel zum Thema Therapie durch Klarträumen 🙂 Ich habe derartiges nie wieder versucht. Dass ich nicht durch die Wände gehen, oder die Viecher einwach wegzaubern konnte, lag an meiner Angst. Angst raubt Energie und ohne ausreichend Energie (hier ist die spirituelle Energie gemeint) kann man im Klartraum nichts bewirken.

Klarträumen kann man lernen. Die meisten Klarträume erreiche ich, weil mir im normalen Traum Dinge passieren, die typisch für meine Träume sind. Ich erkenne sie als „Traumzeichen“ und schon bin ich luzide, oder „klar“, wie Klarträumer sagen. Traumzeichen sind individuell verschieden. Man kann sie aber herausfinden, indem man ein Traumtagebuch führt. Immer wiederkehrende Situationen sammelt man in einer Liste, die man vor dem Zubettgehen nochmal durchgeht. Man stellt sich bei jeder Situation die Szene noch einmal genau vor und macht anschließend einen Realitycheck – so ist man gut vorbereitet für eine potentielle Klartraumnacht. Ein Traumtagebuch ist sowieso das A und O des Klarträumers, auch weil sich die Traumzeichen mit der Zeit ändern, die Liste also immer wieder aktualisiert werden muss. Das Führen eines Traumtagebuchs stärkt ausserdem das Gedächtnis und ist somit auch am Tage sehr nützlich. Ich hatte schon Klarträume, die ich wieder vergessen hatte, weil ich das Führen des Traumtagebuchs längere Zeit vernachlässigt hatte. Im Netz gibt es zahlreiche gute Anleitungen zum Klarträumen. Ansonsten empfehle ich die beiden deutschsprachigen Foren http://klartraumforum.de und http://kt-forum.de.

Klarträumen lernen