Klarträumen lernen

Eine kleine Anleitung für Anfänger

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Was ist ein Klartraum?

Ein Klartraum ist ein Traum, von dem man weiss, dass es ein Traum ist, während man ihn träumt.

Normale Träume erlebt man unbewusst. Erst am Morgen, wenn das Bewusstsein wieder eingeschaltet ist, erfährt man von ihnen im nachhinein, sofern man sich an sie erinnert. Beim Klartraum ist das anders, man erlebt ihn bei vollem Bewusstsein. Dadurch ist er kein nachträglich erinnertes Geschehen, sondern eine real erlebte Geschichte – zumindest für unseren Geist. Ein Klartraum fühlt sich mindestens so real an, wie die Wachrealität – tatsächlich ist im Klartraum alles sogar noch „realer“. Die Farben sind kräftiger, die Sicht extrem hoch aufgelöst, mit deutlich erweitertem Sichtfeld, denn alle Sinne sind auf maximalen Empfang justiert. Der Übergang vom normalen Traum in einen Klartraum ist mit einem Kinobesuch vergleichbar, wenn nach dem Werbeblock der Vorhang aufgezogen wird und wir in die ultra-hochaufgelöste 3D-Welt eintauchen. Der Klartraum kann vom Klarträumer bewusst gesteuert werden. Wetter mies – lasse ich eben die Sonne scheinen. Bock auf Abenteuer – erschaffe ich mir ein Abenteuer, welcher Art auch immer. Das Erschaffen von Dingen oder Ändern der Traumumgebung erfordert Übung, aber mit der Zeit bekommt man die Kniffe raus.

Die beste Nachricht zuerst: Jeder kann Klarträumen lernen!

Viele Menschen sagen, sie würden nie träumen, oder kaum, bzw. wenn, dann würden sie sich an ihre Träume nur lückenhaft erinnern. Fangen wir bei der letzten Aussage an, die erscheint mir ein guter Ansatzpunkt zur Behebung jeglicher Träum-Mißstände.

REM-Phasen (in denen wird geträumt)

Wenn wir uns an unsere Träume nicht erinnern, heißt das nicht, dass wir nicht geträumt haben. Es gibt wenige Ausnahmen, wo Menschen aufgrund von mentalen Beeinträchtigungen, oder weil sie regelmässig Schlafmittel nehmen, tatsächlich keine REM-Phasen haben und somit nur wenig träumen, denn auch in den Nicht-REM-Phasen (NREM-Phasen) träumen wir. Die REM-Phasen aber sind die Schlafphasen, in denen wir komplette Abenteuer erleben, sie können am Morgen bis zu 1 Stunde und länger dauern. Haben wir keine REM-Phasen, haben wir kaum Träume.

Traumerinnerung

Gehen wir mal vom gesunden Zustand aus, also intakte REM-Phasen und kein regelmässiger Gebrauch von Schlaftabletten (Alkohol und Marihuana sind den REM-Phasen und der Traumerinnerung übrigens ebenfalls sehr abträglich), dann gibt es nur einen Grund, warum man meint, nicht zu träumen und der ist, weil man sich an die Träume nicht erinnert. Und genau das ist das wichtigste Instrument der Klarträumer – eine gute Traumerinnerung! Nicht nur, dass wir uns nur so an eventuelle Klarträume erinnern, auch hilft uns die Traumerinnerung beim Klarwerden selbst, also beim Wechsel vom normalen Traum zum Klartraum.

Traumzeichen

Viele unserer Träume sind phasenweise ähnlich aufgebaut. Es gibt Phasen, da verirrt man sich immer wieder, dann gibt es Phasen, wo man ständig von der/dem Ex träumt und nicht zu vergessen die Phasen, wo man wieder in der Schule, oder an der Uni sitzt und Prüfungen zu bestehen hat – der Klassiker. All diese immer wiederkehrenden Elemente sind unsere Klartraumhelfer, im Klartraumjargon heißen sie deshalb Traumzeichen. Um seine Traumzeichen zu erkennen (jeder hat seine eigenen) muss man seine Träume regelmässig notieren und auf wiederkehrende Begebenheiten und Elemente untersuchen. Die Traumzeichen schreibt man dann in eine Liste. Die Liste der Traumzeichen ist, sorry, nie fertig, denn sie ändert sich mit der Zeit, oder besser gesagt, mit den oben beschriebenen Phasen.

Deshalb führt der Klarträumer so oft es geht Traumtagebuch, nicht nur so lange, bis er eine Liste von Traumzeichen zusammen hat. Man kann sich am Morgen auch nur die Traumzeichen notieren, davon rate ich aber ab. Vernachlässigt man die Details, dann wird es auch beim Notieren der Klarträume zu lückenhaften Erinnerungen kommen und das wäre dann sehr schade, denn dafür machen wir den ganzen Krams ja? In Zeiten, wo ich regelmässig Traumtagebuch führe, habe ich auch die meisten und am besten erinnerten Klarträume.

Mir hilft beim Traumtagebuchführen die Technik. Ich habe einen kleinen Recorder neben dem Bett liegen, der schnell aktiviert ist, sodass ich beim zwischennächtlichen Erwachen schnell das bisher Geträumte in Stichworten festhalten kann. Am besten eignen sich im übrigen die Oldschool-Dinger mit Tape. Die leuchten nicht (das macht wach) und sie haben nur wenige, gut erfühlbare Tasten, sodass man sie blind bedienen kann – quasi im Halbschlaf.

So – angenommen du hast regelmässig Traumtagebuch geführt und auch eine hinreichend verlässliche Liste an Traumzeichen zusammen, wie wirst du nun „klar“ im Traum? Im allgemeinen, und das kann man z.B. auch in meinen Klartraumberichten nachlesen, funktioniert es immer auf ähnliche Weise. Man erkennt während des normalen Traumes (auch Trübtraum genannt) ein Traumzeichen und macht dann einen Reality-Check, kurz RC genannt. Dieser RC lässt einen den Traum als solchen erkennen und man „klart auf“, um in der Klarträumerspreche zu bleiben.

Wie sehen Reality-Checks aus?
Es gibt verschiedene Arten von Reality-Checks. Hier die drei beliebtesten:

  1. Nase zuhalten und weiteratmen. Kann man trotz geschlossener Nase durch die Nase weiteratmen, befindet man sich im Traum, denn die echte Nase ist ja weiterhin offen und kann atmen. Funktioniert jedoch nicht bei Schnupfen.
  2. Auf die Hände schauen. Entweder die Finger sehen verformt oder ungewohnt aus, oder die Anzahl stimmt nicht. Funktioniert meistens, aber nicht immer, da muss man dann eventuell zusätzlich zu 1.) greifen.
  3. In die Luft springen. Bleibt man oben, oder schwebt man nur langsam wieder herunter, befindet man sich im Traum.

RC #1 und #2 kann man gut am Tage üben, bei #3 würde man blöde angeglotzt werden. Und da sind wir schon bei der nächsten Disziplin. Am Tage Reality-Checks ausführen. Das ist notwendig, denn Gewohnheiten aus dem Alltag nehmen wir auch mit in unsere Träume. Haben wir uns am Tage angewöhnt, bei außergewöhnlichen oder zumindest nicht alltäglichen Begebenheiten einen RC auszuführen (ebenso bei Traumzeichen, die auch im Wachleben auftauchen können), dann werden wir es ebenso in unseren Träumen tun. Klarträumer bilden daher ein lustiges Völkchen. Man erkennt sie daran, dass sie sich ständig die Nase zuhalten oder ihre Finger zählen. Das Vollführen von RCs am Tage ist reines Aufmerksamkeitstraining, es garantiert keine Klarträume, aber es steigert deren Wahrscheinlichkeit.

Mit den Monaten werden Realiy-Checks zum Klarwerden kaum noch nötig werden. Ich mache sie nur noch zum Stabilisieren, oder bevor ich mich im Traum in Gefahr begebe, denn da will ich dann ganz sicher sein, dass es ein Traum ist und ich nicht im Realleben aus dem 10. Stock springe.

Stabilisieren
Um einen Klartraum am Leben zu erhalten, also um ihn möglichst lange genießen zu können, sollte man ihn regelmässig stabilisieren. Stabilisiert man ihn nicht, wird man in den meisten Fällen nach wenigen Sekunden oder Minuten wieder hinausgeworfen. Es gibt wie bei den RCs auch bei den Stabilisierungstechniken verschiedene Methoden. Man muss schauen, was bei einem selber am besten funktioniert. Hier die vier beliebtesten:

  1. Den Boden anfassen, seine Kühle oder Wärme fühlen.
  2. Gibt es keinen Boden, weil man sich z.B. gerade in einem Fahrzeug befindet, dann das anfassen, was gerade in der Nähe ist, zur Not auch Menschen, denen man im Traum begegnet (sogenannte Traumfiguren). Dabei aber die Netiquette beachten!
  3. Sich per Mantra oder Suggestion mit der Traumrealität identifizieren (z.B. „Dies ist meine Welt, hier bin ich zuhause“)
  4. Die Hände aneinander reiben und ihre Wärme spüren.

Der Stabilität oft abträglich ist:

a) Fliegen. Man kann zwar im Flug die Hände aneinander reiben, aber nicht immer führt das dann zu erhöhter Stabilität. Bei mir bringt diese Stabilisierungstechnik rein gar nichts, einmal hat sie mich sogar aus dem Klartraum geworfen.

b) Sex. Man kann sehr gut Sex im Klartraum haben, aber unser Körper kann zwischen Imagination und Realität nicht unterscheiden und schüttet dieselben Hormone und Botenstoffe aus, wie im Wachleben und jeder weiß, dass Sex sehr belebend sein kann. Und was belebt, das macht auch wach. Schade, aber so ist es nunmal. Ich hatte zwar schon oft Sex in Klarträumen, vermeide ihn aber mittlerweile. Ein stabiler Klartraum ist mir wichtiger.

b) Augen schließen.

Das Void
Nicht jeden wirft das Schließen der Augen aus dem Traum. Manche Klarträumer nutzen es, um Dinge herbei zu zaubern, oder einen Ortswechsel zu erzwingen. Ich fliege jedoch beim Augenschließen in 98% aller Fälle aus dem Traum raus. Dennoch tue ich es manchmal beim Fliegen. Denn schließe ich während des Fliegens die Augen, lande ich im weißen Void. Das weiße Void ist ein sehr erhabener Zustand. Es existiert nichts mehr, absolut gar nichts. Der Traum ist weg, mit ihm der eigene Körper und alles, was man sieht, ist weiß. Man ist im Void nur noch Bewusstsein. Es gibt auch das schwarze Void. Ins schwarze Void gelange ich, wenn ich am Erdboden die Augen schließe. Aber das schwarze Void interessiert mich nicht sonderlich, da ich aus ihm heraus keine neuen Klarträume starten kann – aus dem weißen Void hingegen schon. Es gibt aber auch Klarträumer, die aus dem schwarzen Void heraus neue Klarträume starten können (durch reine Imagination, also Vorstellungskraft, macht man das in beiden Zuständen).

Zusammengefasst:

A) Traumtagebuch führen und Traumzeichen herausnotieren

B) Am Tage Reality-Checks trainieren und sie im Traum anwenden.

C) Stabilisieren

Sehr gute Hilfe und eine engagierte Community findet man in den folgenden, deutschsprachigen Foren:

http://klartraumforum.de

http://kt-forum.de

Auf Youtube gibt es zudem zahlreiche Videos, die sich mit Klarträumen beschäftigen. Einfach als Suchbegriff „klarträumen“ oder „lucid dreaming“ eingeben.

Wer wirklich Klarträumen lernen will, muss ein wenig Geduld mitbringen, denn immerhin muss erstmal das Tagesbewusstsein auf erhöhte Aufmerksamkeit umtrainiert werden und obendrein das Unterbewusstsein dahingehend, dass es Traumzeichen erkennt. Aber beide sind unsere Verbündeten, das kann ich nach fünf Jahren Klarträumerei bestätigen. In Zeiten, wo ich unbedingt wieder Klarträume haben will, schüttet mich mein Unterbewusstsein des nächtens quasi mit Traumzeichen zu. Leider übersehe ich sie immer noch zu oft, aber das ist eben auch die Herausforderung. Und der Lohn sind wirklich fantastische Erlebnisse, die real Erlebtem in nichts nachstehen. Klarträume sind im Moment des Erlebens so real, wie die Wachrealität, denn wir sind ja mit unserem Wachbewusstsein dort unterwegs – quasi wach im Schlaf. Ein Klartraum ist die Kombination aus Wachbewusstsein und Traumwelt – keine Computer-Virtual-Reality kann da mithalten.

Also, los(klar)träumen und dran bleiben – es lohnt sich!