Klartraum-Bericht vom 10.10.2021

Trübtraum 1

Ich stehe an einer Fussgängerampel, als eine junge Frau neben mir meine Hand greift und sie festhält. Ich drehe mich zu ihr um. Sie hat lange, blonde Locken und ein süßes Gesicht, das mich aus grünen Augen anlächelt. Sie trägt einen hellblauen Pulli, der wohlgeformte Brüste ahnen lässt und eine schwarze, schlabbrige Sommerhose. Ok, denke ich, warum nicht, interessiere mich aber ansonsten nicht für sie. Als die Ampel umspringt, lässt sie meine Hand los und wir überqueren getrennt die Strasse.

Trübtraum 2

Meine Freundin ist sauer auf mich, weil ich ihr von dem Traum mit der Frau an der Ampel erzählt habe. Wir sitzen an einem Brunnen und während sie mit jedem meiner Worte immer angegessener wird, entfernt sie Blätter, die auf dem nassen Brunnenrand kleben. Dann sagt sie, dass der Tag kommen wird, wo sie mich wegen so etwas verlassen werde. Ich erwidere, dass es ein Traum war und es keinen Grund gäbe, eifersüchtig zu sein, zumal wir nur Hand gehalten haben. Sie antwortet, während sie mir eindringlich in die Augen schaut, dass sie etwas ganz Besonderes sei, dessen müsse ich mir bewusst sein und dass es keinen Unterschied zwischen den Welten gibt, nur in der Wahrnehmung.

Dann gehen wir Hände haltend, eng nebeneinander die Strasse entlang, die umsäumt ist von hässlichen Hochhäusern. Sie ist jetzt plötzlich eine Asiatin, deren Gesicht zwischen Nasenmitte und Haaransatz weiß geschminkt ist. Ihre Harre sind lang und kupferfarben. Tatsächlich hat meine echte Freundin asiatisch anmutende Augen. Wir betreten einen Fahrstuhl und fahren in den 11. (!) Stock eines Hauses, dort soll eine Party von Freunden von ihr steigen. Wir betreten das Apartment. Die Einrichtung sieht sehr nobel und teuer aus. Es gibt einen DJ, der funky Zeugs auflegt und reichlich Getränke und Essen, aber mich interessieren nur die Menschen. Ich schaue mir alle genau an. Durchschnittsalter 35, würde ich sagen. Wir kommen an einen Raum, der von einem Arsch bewacht wird. Ja, ein Arsch. Ein nackter Arsch und er kann sprechen. Ich werde klar.

Klartraum

Der Arsch lässt uns rein. Vorher instruiert er uns noch, dass in diesem Raum keine Regeln gelten würden und wünscht uns viel Spaß. Ich will gerade wieder umdrehen, da zieht mich meine Freundin hinein. Sie scheint zu Experimenten aufgelegt. Drinnen passiert aber nichts auffälliges. Die Leute sitzen rum und unterhalten sich – wie langweilig, denke ich. Dann sehe ich die Lockige, von der Ampel. Ich schaue ihr direkt in die Augen, aber sie erkennt mich nicht. Ich suche meine Freundin. Vergebens, sie ist nicht mehr da. Dann verlasse ich den Raum wieder. Als ich das große Wohnzimmer betrete, wo vorher noch fett Party war und getanzt und gegessen und getrunken wurde, ist dort offenbar das große Kiffen ausgebrochen. Alles hängt beseelt und dampfend auf den Sofas und Sitzgelegenheit herum und Musik wird auch keine mehr gespielt.

Ich gehe zum DJ, der einen Joint rauchend an einem Tisch sitzt. „Keine Musik mehr?“, frage ich. Er schnippt mit dem Finger und Musik fängt wieder an zu spielen. Langsame, zur Schnarchstimmung passende Musik. Dann fragt er mich, ob ich ein Brötchen haben will, er habe sich welche kommen lassen. Es kommt ein Bote und überreicht ihm eine Tüte mit belegten Brötchen. Ich nehme eines und es schmeckt nach nichts. War mir irgendwie klar. Mir war schon aufgefallen, dass ich die Joints nicht rieche, wieso sollte ich dann jetzt das Brötchen schmecken?

Ich bin erstaunt, wie lange dieser Traum schon stabil ist und schaue mir als Bestätigung noch einmal alles genau an. Perfekte Illusion, völlig real.

Mir wird das alles zu langweilig – Vergeudung von Klartraumzeit. Ich mache einen Realitycheck, schiebe die Gardinen beiseite und nehme Anlauf, um aus dem Fenster zu springen. Ich könnte auch den Fahrstuhl nehmen, aber in Klarträumen aus Fenstern springen, noch dazu im 11. Stock, das hat was Besonderes 🙂 Mein Schwung reicht leider nicht und ich bleibe in der Scheibe stecken. Einige Gäste schauen mir gelangweilt dabei zu. Ich befreie mich und nehme erneut Anlauf. Als sich ein paar Figuren vor das kaputte Fenster stellen, bitte ich sie gestikulierend beiseite. Sie weichen zurück und ich springe mit großem Schwung durch das Fenster.

Ich spüre sofort den frischen Wind im Gesicht und die Sonne auf der Haut. Dann drehe ich eine große Runde und sehe, dass es eine Oberstadt gibt und eine Unterstadt. Der bisherige Traum fand in der Oberstadt statt. Ober- und Unterstadt sind durch eine steile Felsklippe voneinander getrennt. Ich segle wie ein Vogel, langsam kreisend in die Unterstadt. Während die Oberstadt aus Hochhäusern und Betonklötzen besteht, ist die Unterstadt aus kunstvollen Bauwerken mit nur wenigen Stockwerken gestaltet. Ich lande auf einem belebten Platz. Keiner nimmt mich wahr, ich bin offenbar durchsichtig. Ich laufe herum und schaue mir alles an. Viel Jugendstil, viel Kunst, aber erstaunlich wenig Farbe?

So ähnlich sah es aus, auch wenn die Steilklippe viel höher war und auch die Hochhäuser

Es baut sich in der Mitte der Strasse ein rechteckiges Holzkonstrukt auf, welches aus zwei gegenüberliegenden Wänden besteht, die zwischen sich einen abgeschlossenen Hohlraum bilden. Mit meinen Röntgenaugen kann ich hineinsehen, aber absolut nichts erkennen. Das Holzkonstrukt ist honigfarben lackiert und bereits sehr lang. Es scheint zu leben und baut sich immer weiter auf. Jedesmal, wenn ich versuche über eine der Holzwände zu springen, türmt es sich blizschnell um weitere Meter auf. Ich darf offenbar nicht ins Innere.

Ich beschließe in eine der Nebenstrassen auszuweichen. Die Nebenstrasse ist verwinkelt und es fällt nur wenig Licht in sie hinein. Ich höre ein Rasseln. Als ich mich in Richtung des Geräusches drehe, sehe ich einen mit hoher Geschwindigkeit auf mich zurollenden Einkaufswagen. Ich springe zur Seite, damit er mich nicht trifft. Dann rollt er denselben Weg, mit gleich hohem Tempo, wieder zurück. Abermals muss ich zur Seite springen. Als er erneut zum Rammen einsetzt, biege ich in eine Gasse. Dort fliegt ein weißes Seidentuch, dass mich aus der Luft versucht zu attackieren. Es legt sich immer wieder auf mein Gesicht und versucht mir die Sicht zu nehmen, und immer wieder schüttle ich es ab.

In dieser Welt scheinen Dinge Bewusstsein zu haben. Die Hauptstrasse ist das Reich der Holzwände, dies ist die Gasse des Seidentuches und die Nebenstrasse gehört dem Einkaufswagen. Wer weiß, was alles in den anderen Strassen und Gassen wohnt?

Ich fliege ca. 50 Meter nach oben und verschaffe mir einen Überblick. Ein verworrenes Labyrinth aus kleinen Gassen, in der Mitte die breite Hauptstrasse. Das weitere Aufsteigen fällt mir schwer, ein Zeichen für nachlassende Traumkraft? Da die Optik nach wie vor top ist, ignoriere ich diesen flüchtigen Gedanken ans Eintrüben und beginne wie ein Vogel mit den Armen zu schlagen. Jeder „Flügelschlag“ schubst mich ein bis zwei Meter höher.

Ich fange an zu singen. Es ist eine orientalische Melodie und den Text kenne ich auswendig – zumindest im Traum. Im Nachhinein erinnere ich weder das Lied, noch den Text. Ich singe mit voller Kraft und Freunde, während ich langsam, Meter um Meter, entlang der Steilklippe wieder in die Oberstadt schwebe, die wärmende Sonne im Nacken. Oben lande ich ebenfalls auf einem belebten Platz. Überall sind Menschen und alle haben Strandkleidung an. Aber ich kann nirgends einen Strand erkennen, oder Wasser?

Aber ich sehe schöne Frauen. Sollte ich eine dieser Bikini-Schönheiten versuchen zum Sex zu überreden? Im selben Moment wird der Gedanke zur Seifenblase und zerplatzt. Mich interessiert Sex überhaupt nicht. Für Sex braucht es einen Körper und ich habe keinen mehr. Er ist nicht mehr vorhanden. Ich sehe alles aus der Vogelperspektive und bin nur noch Bewusstsein.

Ich freue mich mit den Menschen, die frei und fröhlich miteinander reden und ihrer Wege gehen. Eine alte Frau fällt mir auf. Sie ist normal gekleidet und wirkt sehr nachdenklich. Ich bin ganz nah an ihr, aber sie nimmt mich nicht wahr. Dann werde ich wach.