Klartraum-Bericht vom 10.11.2020

Trübtraum:
Ich fahre mit der U-Bahn Richtung Berliner Süden. Irgendwann stelle ich fest, dass ich gar kein Ticket gelöst habe und steige aus. Beim Ausgang angekommen, kommt mir alles völlig fremd vor. Ich gehe die Straße hinunter und verlasse immer mehr bewohntes Gebiet. Als ich rechts von mir alte Segenschiffe sehe, werde ich klar.

Klartraum:
Ich drehe mich wieder um und gehe in die entgegengesetzte Richtung. Ich gelange in eine Siedlung aus Einfamilienhäusern. Es ist später Nachmittag, in einem der Gärten feiern junge Leute. Ich frage höflich, wie dieser Stadtteil heißt. Berlin Lichterfelde, kommt die Antwort. Ich werde eingeladen, mitzufeiern. Es ist eine kleine Feier, mit drei Männern und drei Frauen, ich bin der Siebte in der Runde. Da es bereits Herbst ist und kühl, halten sich alle im Wohnzimmer auf. Es stehen Snacks bereit und verschiedene Getränke. Ich trinke nur Wasser, welches außergewöhnlich gut schmeckt, frisch und etwas würzig. Ich komme ins Gespräch mit dem Gastgeber. Er ist Musiker und wir unterhalten uns lange über Studiotechnik und Synthesizer, auch philosophische Themen werden angeschnitten, wobei ich mich an die Details nicht mehr erinnere. Dann klimpert einer etwas auf der Gitarre und fängt an zu singen, ein anderer singt mit. Er singt Spanisch. Es wird viel gelacht, ich weiß nicht mehr worüber, aber die Stimmung ist sehr entspannt.

Ich frage, wie die Straße heißt, weil ich das später in meiner Welt überprüfen möchte, ob sie tatsächlich in Lichtenberg existiert (tut sie nicht). Der Gastgeber sagt „Jakobstrasse, Ecke Melchystraße“, Melchy mit „Y“ betont er und lächelt dabei. Ich frage nach einem Stift und schreibe es auf eine Serviette. „Das nützt nichts, die kannst du nicht mit in deine Welt nehmen“, sagt einer. Ich stimme dem zu, aber einmal aufgeschrieben, könne ich es mir besser merken. Als wäre es das Normalste von der Welt, scheint allen bewusst zu sein, dass sie und ich aus verschiedenen Welten stammen. Auch als ich mich mit einer dunkelhaarigen Frau unterhalte. Ich erzähle ihr von dem Beginn des Traumes, mit dem fehlenden Bahnticket und sie bietet mir an, mir Geld für die Bahn zu leihen. Ich antworte, dass ich ihr das nie werde zurückgeben können, worauf hin sie mit einem „Ach ja stimmt, du bist ja von woanders“, antwortet. Sie hat irgendetwas Melancholisches an sich, so ganz anders, als der Rest der Gruppe, die alle fröhlich und glücklich wirken.

Dann drehe ich mich um und schaue in das lächelnde Gesicht einer dunkelblond gelockten Frau, um die 40. Sie kommt mir bekannt vor, aber ich kann sie nicht zuordnen. Ich frage nach ihrem Namen, aber sie lächelt nur und küsst mich. Ich bin zunächst verwirrt, denke an meine Freundin und ob das ok ist, astral (oder in welchem Zustand auch immer) andere Frauen zu küssen. Dann schließe ich reflexartig die Augen, weil es kein normaler Kuss ist, er ist pure Energie! Mein ganzer Körper wird von Licht erfüllt und anstatt aus dem Traum zu fliegen, wie sonst, wenn ich die Augen schließe, laufen Bilder von Buchseiten vor meinem inneren Auge vorbei. Dicht bedruckt, aber ich kann sie nicht lesen, das Tempo ist zu hoch, während ich gleichzeitig mit Energie betankt werde. Es ist nicht die Kundalini – die Energie fühlt sich weder elektrisch an, noch magnetisch. Ich kenne keinen Begriff, um sie zu beschreiben, auf jeden Fall ist sie sehr belebend und beglückend (das englische Wort „bliss“ trifft es am besten).

Dann beendet sie den Kuss und ich sage nichts, genieße einfach nur den Zustand, in dem ich zurückgelassen wurde. Ich schließe wieder die Augen und ärgere mich dann, weil ich Angst habe, aus dem Traum zu fliegen. Sie bekommt das irgendwie mit und sagt, ich solle anfangen zu zählen (oh, sie kann auch sprechen :)). Ich habe die Augen geschlossen und zähle. Bei 10 öffne ich wieder die Augen und alles ist wie vorher, die Frau lächelt, aber sagt nichts. Während ich die Augen geschlossen hatte, war wieder eine Bilderflut an mir vorbei gerauscht, keine Buchseiten diesmal, sondern alles Mögliche, inklusive schöner Muster.

Der Gastgeber steht auf und fragt, ob ich ihm helfen könne, einen großen Blumentopf vom Garten vors Haus zu tragen. Wir gehen hinaus und tragen einen ziemlich schweren Topf, in dem ein Baum mit gelben Herbstblättern wächst, vor das Haus, unter eine Überdachung. Das Haus gehöre seiner Mutter und die habe ihn darum gebeten. Wir gehen wieder hinein und ich stelle fest, dass es hell zu werden beginnt.

Was für ein langer Klartraum, denke ich. Die blonde Frau steht immer noch lässig ans Sofa gelehnt und hält ein Champagnerglas in der Hand. Mir war vorher nicht aufgefallen, wie sexy sie ist. Sie bemerkt wohl meine interessierten Blicke und wir küssen uns erneut, aber diesmal ist es ein eindeutig sexueller Kontakt. Ich unterbreche das heiße Miteinander nach einigen Minuten, weil Sex in Klarträumen oft der Klarheit schadet und genieße einfach die friedliche Stimmung und die Liebe, die von allen ausgeht. Sie akzeptiert lächelnd und unterhält sich dann mit einem der Gäste.

Ich denke an meine Wach-Realität, den ganzen Wahnsinn, der da seit Monaten abgeht. Mir kommen die Tränen, weil mir all die Lügen und der Hass durch den Kopf gehen. Ich werde mir der Lügen aber nicht nur bewusst, ich fühle in diesem Moment klar und deutlich, wie sich Lüge anfühlt! Es ähnelt dem Gefühl, wenn man beobachtet wird, ein sehr unangenehmes und ein bei der Lüge obendrein demütigendes Gefühl. Ich denke auch an all den Hass, vor allem den Hass gegen Andersdenkende. An die Corona-Nazis und Blockwarte, wie Söder und Lauterbach.

Mir kommt der Begriff DDR 2.0 in den Sinn und dass ich das nicht will, diesen Faschismus – keine Art von Faschismus. Dazu die Medien, wie sie uns alle gegeneinander aufhetzen. Mittlerweile weine ich laut, es tut einfach zu sehr weh, zu realisieren, in einer Welt aus Lüge und Hass zu leben, während ein Augenzwinkern weiter eine Welt aus Liebe und Frieden existiert. Die anderen reagieren nicht, sie lassen sich durch mich nicht aus ihrer friedlichen Feierstimmung bringen.

Mein Klartraum ist immer noch sehr stabil. So stabil, dass ich das Gefühl habe, ich könne mich jetzt einfach entscheiden, hier zu bleiben. Ich schaue mich in der Runde um – wie sie mir immer noch zulächeln. Sie wissen vermutlich genau, wie ich mich fühle, können aber nichts für mich tun – ihre Welt und meine sind nicht dieselbe. Ihre ist besser, finde ich. Ich beschließe mich aufzuwecken, weil mich das alles zu sehr frustriert. Ich verabschiede mich und bedanke mich für ihre Gastfreundschaft und Liebe, schließe die Augen, denke an mein Bett und werde wach.

Ich liege wach und meine sonst eher auf körperlichen Abstand eingestellte schwarze Katze legt sich auf meinen Brustkorb und schnurrt. Das hat sie noch nie getan, ein völliges Novum! Es tut sehr gut und sie genießt es, von mir gestreichelt zu werden. Ich gehe den Traum noch einmal durch. Ich habe tatsächlich geweint, mein Gesicht ist voller Tränen. Ich denke zurück an die glücklichen Menschen und wie sie mich liebevoll aufgenommen haben. Dann beschließe ich, noch einmal dorthin zu gehen, schließe die Augen und konzentriere mich auf das Haus, in dem das Fest war.

Ich bin sehr schnell wieder dort und unmittelbar klar. Die Feier ist vorbei, nur noch der Gastgeber ist da. Als wäre nichts gewesen, als wäre ich nie aus seiner Welt verschwunden, drückt er mir zwei Blumentöpfe in die Hand und nimmt selber auch zwei. Die müssen noch zum Nachbarn. Wir gehen in den Garten des Nachbarn. Dort öffnet er einen Schuppen, um die Töpfe hinein zu stellen. Ich frage, ob das ok ist, hier nachts einfach in deren Schuppen zu gehen? Das sei kein Problem, antwortet er freundlich. Dann trübe ich ein und bin wieder in meinem Bett. Die Katze liegt immer noch schurrend auf mir drauf.

Ein ungewöhnlicher Klartraum deshalb, weil es nicht das typische Klartraum-Ambiente mit kräftigen, kontrastreichen Farben und der flirrenden Energie war, sondern eine Realität, die sich von unserer in Nichts unterschied. Alles sah genauso aus und fühlte sich genauso an, bis auf den Kuss er Frau. Auch hatte ich nicht das Gefühl, in einem Traum zu sein, wie sonst bei Klarträumen, sondern mir war sofort klar, dass ich hier eine real existierende Welt betreten habe, die nicht meine Wachrealität ist. Die Traumfiguren waren auch nicht die üblichen Dummies, sondern intelligente, aufgeweckte Menschen, mit denen man sich lang und tief unterhalten konnte. Wo immer ich war, es war der Frieden auf Erden.