Mein 7. Ayahuasca-Retreat (Mai 2017)

(nur 1 Nacht)

Das Ayahuasca war auch diesmal sehr dickflüssig und sehr bitter. Entsprechend seiner Konzentration war es auch sehr stark. Da ich vor der Einnahme 2g Calziumcarbonat genommen hatte, welches den Magen in ein basischeres Millieu versetzte, überkam mich die Übelkeit etwas später, als die beiden letzten Male mit diesem hochkonzentrierten Ayahuasca. Nach 40 Minuten übergab ich mich die ersten Male, davor hatte ich keinerlei Visionen. Nach dem Übergeben explodierten die Visionen förmlich, gleichzeitig war mir extrem schwindelig. Ich zittere am ganzen Körper, hatte Zirpen in den Ohren und wurde jedesmal, wenn ich die Augen schloss, „davongetragen“. Mein Körper rutsche einfach gefühlt einen Meter weiter nach rechts. Jedes Mal riss ich die Augen auf. Ich wollte weder diese extremen Visionen, welche man mit Las Vegas am 31.12. um 0 Uhr vergleichen könnte, noch wollte ich in einen anderen Bewusstseinszustand katapultiert werden, dem ich dann gnadenlos ausgeliefert gewesen wäre. Der größte Horror für mich wäre, davongetragen und in der Welt dieser bizarren, blendend grellen und hysterisch schnellen Muster und Geometrien aufzuwachen, wohlmöglich als Teil von ihnen.

Ich hasse diese leuchtenden Muster mittlerweile. Sie tragen nichts, aber auch gar nichts zur Qualität der Erfahrung bei. Sie sind beeindruckend, wenn man sie noch nicht kennt. Kennt man jedoch eine DMT- Erfahrung, kennt man von den Visionen her alle.

Es war das erste Mal während einer Ayahuasca- Nacht, dass ich mit offenen Augen Muster gesehen habe. Sie waren überall, auf jedem Gegenstand und jedem Gesicht. Als ich zwischendurch zur Toilette wankte, wurde die Orientierung schwierig, weil kaum noch erkennbare Konturen existierten. Alles war überzogen mit diesen Geometrien.

Fünf mal musste ich mich zwingen, die Augen wieder zu öffnen, was sehr schwierig war, da der Körper zum Wirkungshöhepunkt hin mehr oder weniger macht, was er will. Und er will die Augen schließen und sich davontragen lassen. Dann folgte die zweite Welle Übelkeit und Übergeben, noch heftiger, als beim ersten Mal, weil es nichts mehr zum Auskotzen gab. Es fühlte sich an, als würden gleich die Eingeweide aus mir herausspringen. Aber ich kannte die Spielregel ja mittlerweile. Entweder mitmachen und sich von den Aztekenfratzen und Clowns davontragen lassen, oder leiden und ich hatte mich fürs Leiden entschieden. Danach wurde es ruhiger. Das Klirren und Zirpen in den Ohren hörte auf und die Muster wurden ruhiger und bedeutend erträglicher, teilweise sogar sehr schön. Anmutende, größtenteils goldene und gelbe Schreine und Gebilde. Jetzt konnte ich mit meiner „Arbeit“ beginnen.

Zunächst einmal ließ ich mich fallen, um zu checken, wo es mich hinträgt. Es ging in eine tiefe emotionale Ebene mit wunderschönen Visionen und einem stark vibrierenden, aber im Hier und Jetzt verweilenden Körper. Die Clowns und Fratzen hatten verloren, ich hatte ihnen getrotzt.

Was folgte, war eine lange Phase der Entspannung und des Insichgehens. Ich war jetzt pure Energie und spürte in jeder Zelle meines Körpers göttliche Liebe. Liebe im Überfluss, so viel, dass ich im Geiste alle meine Freunde durchging, sie visualisierte (was in diesem Zustand sehr einfach ist) und ihnen von dieser Liebe abgab. Ich liebte sie, weil sie so sind, wie sie sind. Auch meine verstorbenen Eltern holte ich auf diese Weise zu mir und gab ihnen so viel ich konnte von dieser Liebe ab. Sie war endlos.

Mir wurde abermals klar, dass wir umgeben sind von nie endender Liebe. Alles ist aus ihr – alles was ist. Man kann diese Liebe Gott nennen, oder Universum, der Name spielt keine Rolle.

Einer Teilnehmerin im Raum ging es sehr schlecht. Ich richtete meine Aufmerksamkeit in ihre Richtung. Wobei Richtungsempfinden in diesem Zustand purer Energie kaum mehr existiert, weil Richtungen nicht mehr existieren, ebenso wie Zeit. Ich spürte aber ihre Gegenwart im Raum und bat um himmlischen Beistand für diese geplagte Seele. Es bildete sich ein weißer Raum vor meinem Auge. Dann sah ich, dass es nicht einfach nur Weiß war, sondern tausende von einzelnen Lichtwesen, welche dicht beieinander standen und auf einen goldenen Schrein zu blicken schienen. Zwischen den Wesen und dem Schrein war blaues Licht. Der Schrein, welcher mit heiligen Geometrien überzogen war, leuchtete und strahlte pure Liebe aus.

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Die Frau hörte auf zu weinen, die Vision verschwand. Ich nenne diese Wesen einfach mal Engel, ohne zu wissen, ob es welche waren. Aber wenn sie es waren, dann können wir sicher sein, dass sie immer für uns da sind und wir nur um ihre Hilfe bitten brauchen. Offenbar warten Heerscharen von Lichtwesen nur darauf, uns Menschen zu helfen. Ihre Art der Hilfe ist Liebe.

Ich war nach diesem sehr schönen Erlebnis sofort bei einem meiner Lieblingsthemen, bei Gott. Was ist Gott, wer ist Gott, gibt es Gott? Ich stellte diese Fragen wie immer ins Blaue hinein und bekam (wie immer) die Antworten, noch bevor ich die Frage zu ende gestellt hatte. Eine innere Stimme vermittelte mir Folgendes:

„Gott ist alles was ist, das Gute und das Schlechte, wobei diese Unterscheidung nur von Menschen gemacht wird. Im göttlichen Sinne gibt es nicht Gut und Schlecht, alles hat einen Sinn, auch wenn er sich uns Menschen nicht immer erschließt.“

Ich fragte zurück, wieso wir Schmerz erleben müssen, Grausamkeiten und Ungerechtigkeit. Die Antwort war wieder von dieser universellen Logik, die nicht einfach zu verstehen ist.

„Gott ist alles was ist, also auch der Schmerz und die Grausamkeit. Aber auch die Liebe. Das Eine ist von dem Anderen nicht zu trennen. Gott erfährt durch uns alles, was erfahr bar ist. Wäre nichts da, gäbe es nichts, was er erfahren könnte. Alles ist Gott, auch wir. Genauso, wie jeder Stein und jede Galaxie Gott ist. Wir erfahren alles, was erfahr bar ist und halten dadurch diesen allumfassenden Geist am Leben.

Dass wir in Gut und Schlecht unterscheiden, liegt an unserer irdischen Existenz, in welcher wir Schmerz empfinden können. Außerhalb unserer Existenz gibt es keinen Schmerz und somit auch keine Grausamkeit.“

Ich war enttäuscht, weil diese Antwort mich vermuten ließ, dass wir für Gott so eine Art Unterhaltungsshow sind, eine Art Dschungelcamp. Heute frisst der eine Dreck, morgen ein anderer. Und alles nur, weil alles was erfahrbar ist, auch erfahren werden muss, ob es uns passt, oder nicht. Ich hoffte innständig, dass Gott seine Schöpfung Mensch genug liebt, um sie vor ihrer eigenen Vernichtung zu bewahren.

Ich fragte, wie wir mit den grausamen Menschen unter uns verfahren sollen, den Mördern und Folterern. Die Antwort passte mir wieder nicht. Wir sollen ihnen alle Liebe geben, die wir aufbringen können. Die Liebe lässt sie aufhören Dinge zu tun, die für andere schlecht sind. Da ist der Punkt, wo ich schon Jesus nicht verstanden hatte, der lebte genau dieses Prinzip und liebte sogar die, die ihn gequält hatten. Aber Jesus war erleuchtet, ich bin es nicht.

Dennoch werde ich mir immer vor Augen halten, dass Gut und Schlecht nur in unserem menschlichen Bewusstsein existiert. Gott ist alles was ist und alles ist Liebe, somit auch Schmerz und Leiden.

Ich verließ diese tiefe innere Ebene. Das Licht verschwand zunehmend und es kamen triviale Visionen, wie man sie aus Träumen kennt. Erhabene Städte, aberwitzige Maschinen und Geräte. Ich nenne sie mal „Steampunk Visionen“.

Bald waren auch diese Bilder kaum mehr wahrnehmbar. Ich ging raus und setzte mich ans Feuer, hörte einem Specht bei seiner Arbeit zu und schaute zwischen den Baumkronen in den blauen Himmel. Es war wieder mal eine lehrreiche Nacht gewesen, aber auch eine sehr zehrende. Ich hatte großen Durst und das Leitungswasser schmeckte nach Kalk.

Mir ist klar, dass alles Erlebte nur in meinem Inneren stattfand. Die Engel, die Philosophiestunde über (oder mit?) Gott. Aber es lohnt sich darüber nachzudenken. Warum sind wir da und machen das, was wir machen? Alles hat einen Sinn im Universum. Der Sinn der menschlichen Existenz ist für mich eines der ganz großen Rätsel. Sind wir pure Unterhaltungsclowns für eine göttliche Elite oder sind wir tatsächlich selber Gott, oder zumindest ein Teil von ihm?