Körpereigenes DMT – aktueller Stand (2020)

DMT ist einigen als Halluzinogen bekannt, wobei ich hier gleich einwenden möchte, dass ich den Terminus „Halluzinogen“ unzutreffend finde.

N,N-DMT

DMT wurde erstmals 1931 von Richard Manske, einem kanadischen Chemiker, synthetisiert, damals aber noch nicht auf humanpharmakologische Wirkungen untersucht. Fünfzehn Jahre später entdeckte der Mikrobiologe Oswaldo Gonçalves de Lima das natürliche Vorkommen von DMT in Pflanzen, aber die „halluzinogenen“ Eigenschaften von DMT wurden erst 1956 von dem ungarischen Chemiker und Psychiater Stephen Szara entdeckt, der DMT aus der Pflanze Mimosa Hostilis extrahierte und sich den Extrakt intramuskulär verabreichte. N,N-Dimethyltryptamin, so die chemische Bezeichnung von DMT, hat seitdem nach und nach Einzug in die Psychonautenkultur des Westens gefunden, während die indigenen Völker Südamerikas es in ihrer sakralen Medizin Ayahuasca bereits seit tausenden von Jahren verwenden.

Dass ich DMT nicht als Halluzinogen ansehe, führe ich auf meine persönlichen Erfahrungen mit DMT zurück, denn das, was man unter dem Einfluss von DMT wahrnimmt, sind keine Halluzinationen.

Wikipedia:
„Unter Halluzination versteht man eine Wahrnehmung, ohne dass eine nachweisbare externe Reizgrundlage vorliegt. (…) Das bedeutet zum Beispiel, dass physikalisch nicht nachweisbare Objekte gesehen oder Stimmen gehört werden, ohne dass jemand spricht. Bei einer Illusion hingegen wird ein real vorhandener Sachverhalt verändert wahrgenommen: Ein tatsächlich vorhandener feststehender Gegenstand scheint sich zu bewegen oder in irregulären Mustern werden scheinbar Gesichter erkennbar.“

Unter dem Einfluss von DMT kann man zwei Zustände einnehmen:

  1. Man bleibt in dieser Realität und hat Visionen, welche eher der oben zitierten Definition einer Illusion entsprechen, oder
  2. Man wechselt komplett in eine andere Realität (break through), wo die Dinge, die man sieht (Entitäten, Raumschiffe, fremde Welten), real sind und somit ebenfalls keine Halluzinationen.

Es mag Momente geben, wo man sich auf dem Kipppunkt zwischen dieser und einer anderen Realität, befindet, bzw. in beiden Realitäten gleichzeitig. Dann hat man entweder Visionen, oder man nimmt Dinge wahr, die tatsächlich existieren, nur eben in einer parallelen Realität. Auch hier treten zu keinem Zeitpunkt Halluzinationen auf. Aus meiner Erfahrung mit Oneirogenen (Traumbilder und Visionen erzeugende Substanzen) würde ich DMT eher als Oneirogen bezeichnen (und nat. Neurotransmitter).

Die meisten, die von DMT überhaupt wissen, kennen es sehr wahrscheinlich von Ayahuasca, der visionären Pflanzenmedizin aus dem Amazonas-Dschungel. Trinkt man Ayahuasca, nimmt man das darin gelöste DMT über einen externen Weg zu sich, ebenso, wenn man kristallines DMT vaporisiert, oder Changa raucht. Tatsächlich sind das die einzigen bislang bekannten Methoden, DMT in psychoaktiv relevanten Mengen zu sich zu nehmen – das intramuskuläre Spritzen dürfte schon am Setting scheitern, wer hat schon einen Arzt in der Nähe?

DMT ist in nahezu allen Ländern dieser Welt illegal. Sicherlich nicht ohne Grund, da es einen komplett aus dieser Realität befördern und auch in niedrigeren Dosierungen bei empfindlichen Personen Traumatas auslösen kann (eigentlich “lösen”, denn die Traumatas sind ja schon vorhanden, DMT macht sie lediglich fürs Bewusstsein zugänglich). Die Vorsicht kann ich daher nachvollziehen, nicht aber, dass es auch für die Forschung verboten ist. Wer mit DMT forschen will, muss einen nervenaufreibenden Hürdenlauf durch alle möglichen Behörden und Instanzen hinter sich bringen. Dabei wäre DMT das perfekte Mittel, um alles über unser Bewusstsein zu erfahren. Was es ist, warum es so ist, wie es ist und wohin die Reise geht. In den USA hat einzig und allein der Bundesstaat Oregon DMT legalisiert. Dort hat die DMT-Forschung auch schon wieder an Fahrt gewonnen.

Auch ist es mir unverständlich, warum DMT (ebenso wie LSD und Psilocybin) nicht therapeutisch eingesetzt werden darf, da die bisherigen Erfolge gegen die Vokskrankheit Depression sehr vielversprechend sind. Hat vermutlich die Pharmaindustrie was dagegen und die Psychiatervereinigungen dürften auch nicht applaudieren.

1 Ayahuasca-Wochenende spart Jahre an Therapie!

N,N-DMT kommt in vielen Pflanzen (Chacruna, Chaliponga, Peregrina, Mimosa, Acacia, Phalaris,..) und in allen Säugetieren vor, das Derivat 5-MeO-DMT auch in verschiedenen Kröten. Die Frage stellte sich irgendwann, ob es auch beim Menschen vorkommt, also, ob unsere Körper DMT produziert? Das tut er. Erbracht wurde der Nachweis erstmals von Osmond and Smythies, im Jahre 1952. Sie wollten herausfinden, ob Schizophrenie durch körpereigene Psychedelika ausgelöst wird (wird sie nicht) und fanden bei ihren Blutuntersuchungen die Abbaustoffe von Bufotenin (5-HO-DMT), 5-MeO-DMT und N,N-DMT. Die Mengen waren allerdings so gering, dass sie niemals psychedelisch relevant sein dürften. Später kamen genauere Messverfahren hinzu und man wusste auch mittlerweile, dass DMT extrem instabil und allein daher sehr schwer nacheisbar ist. In Affenhirnen konnte man es z.B. nur nachweisen, indem man den Versuchstieren einen MAO-Hemmer gespritzt hatte, der den Abbau von DMT verhindert und dann das Hirn der getöteten Tiere zentrifugiert hat – eine grauenvolle Vorstellung.

Was man heute zum Nachweis von körpereigenem DMT heranzieht, ist das gemeinsame Vorkommen zweier Enzyme, ohne die DMT nicht produziert werden kann. Das eine hat die Abkürzung AADC und das zweite INMT. Nur bei gemeinsamen Vorhandensein dieser beiden Enzyme kann DMT produziert werden. AADC stellt aus dem weitverbreiteten Nahrungsmitteleiweiß Tryptophan die DMT-Vorstufe Tryptamin her und INMT macht dann daraus DMT. Das alleinige Vorhandensein von INMT reicht als Nachweis nicht, da INMT auch noch an der Bildung anderer Amine beteiligt ist (Histamin, Adrenalin, Noradrenalin). Die neue DMT-Forschung zentrifugiert also keine Affen- und Kaninchenhirne mehr, sondern schaut nach, wo in unserem Körper AADC und INMT in ausreichend großen Mengen vorkommen, denn, das weiß man inzwischen, sind beide Enzyme vorhanden, wird auch DMT hergestellt.

AADC und INMT kommen als „Bundle“ tatsächlich in diversen Orten in unserem Körper vor. Im Darm, in den Nieren, in der Lunge, in der Rückenmarksflüssigkeit, in der Zirbeldrüse und der in Retina unserer Augen. All diese Organe/Flüssigkeiten sind also in der Lage, körpereigenes DMT zu produzieren. Aber warum sollten sie das tun, um uns auf psychedelische Reisen zu schicken? Vermutlich nicht. Es hat eine Weile gedauert, vor Allem weil die DMT-Forschung ja illegalisiert worden ist. Aber die Erkenntnis über den Sinn und Zweck von DMT wurde im Jahre 2010 erbracht.

DMT schützt verschiedene Zelltypen vor dem Erstickungstod.

Zu diesen Zellen, die von DMT vor den Schäden durch Sauerstoffmangel geschützt werden, gehören auch unsere Nervenzellen. Das würde auch erklären, warum DMT u.a. im Rückenmark und im Gehirn produziert wird (dort in der Zirbeldrüse). Nun hatte man verstanden, wozu es gut ist, aber die Mengen, die es im Ernstfall bräuchte, wären zu gering. Auch kann sich der Körper nicht darauf verlassen, dass zufällig genug Tryptophan mit der Nahrung aufgenommen worden ist, um ausreichend DMT herzustellen. Es brauchte weitere sieben Jahre, um auch hierauf eine Antwort zu finden.

Unser Körper speichert DMT in den Vesikeln unseres Zentralen Nervensystems (ZNS).

Die DMT-Mengen, die man im ZNS gefunden hat, sind ausreichend, um im Notfall den Schutz des Nervensystems zu gewährleisten.

„The concentration of DMT into vesicles and its release at the synaptic cleft would permit elevated concentrations of DMT, perhaps sufficient to elicit its known pharmacological actions as well as other effects.“ (NCBI)

Mit „other effects“ könnten psychedelische Effekte gemeint sein, denn die Mengen, die gefunden wurden, befanden sich im Milligrammbereich.

Könnten sich so Nahtoderfahrungen erklären? Wäre es möglich, dass unser Körper im Falle von Herzversagen, was ja eine Unterversorgung mit Sauerstoff bewirken würde, seinen kompletten Vorrat an DMT ausschüttet, um das Nervensystem zu schützen? Denkbar ist das, obwohl nur 20% der Patienten mit Herzversagen von Nahtoderfahrungen berichten. Was ist mit den anderen 80 Prozent? Generell berichten ja nur ein kleiner Prozentsatz derer, die nach einem klinischen Tod ins Leben zurückgeholt worden sind, von Nahtoderlebnissen. So gesehen passt die Statistik, die anderen haben vermutlich nicht genug DMT gespeichert.

Meine eigenen Erfahrungen mit körpereigenem DMT sind vielfältig. Vor allem wenn ich vor dem Schlafengehen tryptophanreich esse (Soja, Huhn, Erdnüsse) und dann etwas Steppenraute nehme (Oneirogen und MAO-Hemmer), habe ich hypnagoge Phasen, deren Visionen eindeutig DMT-Qualität haben. DMT-Visionen leuchten von innen heraus, dadurch lassen sie sich klar von denen von Meskalin oder Cannabis unterscheiden. MAO-Hemmer fördern zudem die Produktion von INMT. Gleichzeitig verhindern sie den Abbau von DMT durch das Enzym Monoamino-Oxidase. Auch die Einnahme von Vitamin B6 und B12 unterstützt die Bildung körpereigenen DMTs, da sie zur Metabolisierung von Tryptamin aus Tryptophan gebraucht werden.

Zusammenfassung:
Hormon und Neurotransmitter DMT wird von unserem Körper hergestellt und gespeichert. Unser Körper benötigt DMT als Zellschutz bei Unterversorgung mit Sauerstoff. DMT ist gleichzeitig eine psychedelisch hochwirksame Substanz. Die Mengen, die der Körper freisetzen kann, können sich durchaus in Größenordnungen bewegen, die eine psychedelische Wirkung ermöglichen (Nahtoderfahrungen, Klarträume, Astralreisen). Leider kann nur unzureichend geforscht werden, da DMT weltweit für illegal erklärt worden ist, auch für die Forschung.

Videoempfehlung:

Quellen:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6088236/

https://www.nature.com/articles/s41598-019-45812-w

https://beckleyfoundation.org/2017/07/05/do-our-brains-produce-dmt-and-if-so-why/

https://newatlas.com/dmt-psychedelic-endogenous-rat-brain/60348/

https://www.aliusresearch.org/nichols-nichols-endogenous-dmt.html#

https://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1177/0269881117736919?journalCode=jopa

https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0074774208602913

https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=&cad=rja&uact=8&ved=2ahUKEwjZ38-RwIftAhVH6aQKHYQKAiwQFjADegQIAxAC&url=https%3A%2F%2Fonline.medunigraz.at%2Fmug_online%2Fwbabs.getDocument%3FpThesisNr%3D54407%26pAutorNr%3D82434%26pOrgNR%3D1&usg=AOvVaw1abSjidCdpcIANvQZrIHZI

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